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Drachenwut's Politikblog

Politische Korrektheit (dengl. pollitickel koräktnäss) ist heutzutage, dass logisch-auf sich beruhende Gegenteil von faktischer Korrektheit.
Oder einfacher,
eine Worthülse um Lüge, Meinungsmache, Maulkorberlasse, faktische Verdrehungen, Verfälschung und Meinungs-Monopolismus zu verschleiern.



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Drei wichtige und erhellende Analysen zum aktuellen geopolitischen Geschehen

Schlag gegen Syrien – Ziel: Russland

Geopolitisches Schachbrett: Teile, erobere und beherrsche den »neuen Nahen und Mittleren Osten«

Dem Projekt eines "Neuen Nahen Ostens": Kreative Zerstörung als revolutionäre Kraft


Schlag gegen Syrien – Ziel: Russland

«Schlimmer als die Feindschaft mit den Angelsachsen kann nur eines sein: die Freundschaft mit ihnen» (Alexej Jedrichin-Wandam)

Interview mit Prof. Andrej Iljitsch Fursow Nibiru

Das folgende Gespräch mit Professor Andrej Fursow, Leiter des Zentrums für Russ­land-Forschung an der Moskauer Geisteswissenschaftlichen Universität und Mitglied der Internationalen Akademie der Wissenschaften (München), erschien am 9. August 2012 bei KP.ru. Es ist bei der gegebenen Ausgangsfragestellung unerwartet weit im Spektrum dessen, was darin behandelt wird. Ausgehend von der derzeitigen Situation in Syrien und dem «Arabischen Frühling» versucht der russische Historiker Prognosen und Betrachtungen über die weitere Entwicklung danach, vom Konkreten zum Globalen.
Letzte Vorbemerkung: der Begriff «Regime» ist im Russischen nicht zwangsläufig negativ konnotiert.

Interview nach Inhalt gegliedert:

  1. Krieg ums Gas
  2. Die Angelsachsen sind globale Billardspieler. Sie arbeiten mit «gesteuertem Chaos»
  3. Ziel des Westens: China fallen zu sehen, von den Rohstoffquellen zu trennen und technologisch zu ersticken
  4. USA heute in der Überspannung der Kräfte
  5. Gesteuertes Chaos: Damit der Platz beim Abzug nicht von Konkurrenten besetzt werden kann
  6. Das wahre Gesicht der «Freunde Syriens»
  7. Der internationale Terrorismus, gegen den die USA angeblich kämpfen, ist in Wahrheit ihre Waffe, von ihnen selbst geschaffen
  8. Taktik der Zerrüttung und massiver Angriffe kombiniert
  9. Kampf um Eurasien
  10. Alles Wahnsinn der Macht – anstatt Rohstoffe zu kaufen
  11. Den Nattern nicht trauen
  12. Lehren und Prognosen

Warum hat es der Westen so eilig damit, die Nägel in den Sarg des Assad-Regimes zu schlagen?

Professor Andrej Fursow: Dieses nicht allzu grosse Land im Nahen Osten ist unerwartet zum schlimmsten neuralgischen Punkt des Planeten geworden. Ständig tagt die Uno dazu. Eine unnachgiebige Haltung nehmen dort Russland und China ein. Eine Flotte russischer Kriegsschiffe mit Marineinfanteristen hat Kurs aufs Mittelmeer genommen und läuft auch Syrien an. Die USA stellen den «Rebellen» weitere 15 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Riecht es hier etwa nach einem grossen Krieg?

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Krieg ums Gas

Wodurch hat denn das kleine Syrien dem mächtigen Westen die Suppe versalzen?

Einfach durch alles. Gehen wir der Reihe nach – vom Kleinen zum Grossen, vom Regionalen zum Globalen. Bei den Konstellationen im Nahen Osten allgemein und im Kampf der Amerikaner und der sunnitischen Monarchien (Saudi-Arabien und Katar) gegen das schiitische Iran ist dieses Land nicht einfach nur ein Verbündeter Teherans, sondern Glied einer Kette, das dieses mit den schiitischen Gruppierungen in der arabischen Welt verbindet. Ohne ein solches Verbindungsglied würde der Einfluss Irans in der arabischen Welt wesentlich geringer sein. Ich will nicht einmal davon sprechen, dass eine Erdölpipeline aus Iran durch Syrien verläuft. Ohne die Lösung der syrischen Frage können die Angelsachsen, d.h. die Briten und die Amerikaner, sich nicht an Iran wagen.
Das syrische Regime ist faktisch das einzige starke, weltliche Regime in der arabischen Welt. Dass es stark ist, stört die Atlantisten mit ihren Plänen zum Umbau des Nahen Ostens und der gesamten Welt. Dass es ein weltliches und dabei wirtschaftlich erfolgreich ist, stört die Führung Saudi-Ara­biens und Katars.

Manche sagen, es sei der erste Krieg um Erdgas.

Im südlichen Mittelmeerraum sind Erdgasvorkommen festgestellt worden – sowohl auf Seegebiet, als auch an Land auf syrischem Territorium (Kara). Wie gross diese Vorkommen sind, ist schwer zu sagen, aber es gibt sie. Katar exportiert verflüssigtes Erdgas mit Hilfe einer Tankerflotte. Bricht das Assad-Regime zusammen, so bekommt Katar die Möglichkeit, den «blauen Brennstoff» direkt über das syrische Territorium an die Küste des Mittelmeers zu transportieren. Das würde sein Exportvolumen mindestens verdoppeln und gleichzeitig den Export aus Iran behindern. Das Erstarken Katars auf dem Markt für Erdgas schwächt die Position Russlands. Wenn es den Amerikanern gleichzeitig gelingt, Kontrolle über das algerische Erdgas zu gewinnen, so sieht das schon nach einer Blockade des Erdgasexports für Russland aus. Das heisst, die wirtschaftlichen Interessen Katars fallen mit den geopolitischen Interessen der USA zusammen und mit ihrem Bemühen, Russland maximal zu schwächen, denn Russland soll nicht wieder erstarken.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Die Angelsachsen sind globale Billardspieler. Sie arbeiten mit «gesteuertem Chaos»

Das bedeutet, dass die Yankees in Syrien eigentlich indirekt Russlands geliebtes Gazprom angreifen?

Die Angelsachsen sind globale Billardspieler, sie arbeiten nach dem Prinzip, mit einem Mal gleich mehrere Kugeln zu versenken (was man von ihnen lernen sollte). Der grosse Nahe Osten mit dem darin ablaufenden gesteuerten Chaos trennt China von den benötigten Quellen für Erdöl und Erdgas ab, gleichzeitig wird ein Bruch zwischen dem chinesischen und dem westeuropäischen Teil Eurasiens gelegt. Die Kontrolle über Öl und Gas aus dem Nahen Osten bedeutet in erster Linie die Kontrolle der USA über Europa, speziell Westeuropa, was der Schwächung Russlands und seiner Positionen durchaus zuträglich wäre. Und wenn Europa das eines Tages missfallen sollte, so kann man inzwischen auch dort ein paar arabisch-afrikanische Unruhen vom Zaun brechen – so, dass die satten Bürger wünschten, es wäre wieder vorbei.
Diese Logik (obwohl nicht nur diese allein) bestimmt den Drang der nordatlantischen Elite durch die arabische Welt nach Osten: Tunesien, Ägypten, Libyen. Nun sind sie bei Syrien angekommen. Allerdings sind die Atlantisten auf diesem syrischen Flecken Erde mit einer anderen globalen Macht aneinander geraten, die sich mit ihnen in wirtschaftlicher und sogar militärischer Hinsicht messen kann, aber eine vollkommen andere Zivilisation darstellt. Das ist China mit seinem Drang nach Westen. Chinas Drang ist eine Art Kreuzzug um Ressourcen. Pakistan befindet sich schon unter Chinas Einfluss. Mit den Taliban Afghanistans haben die Chinesen schon lange Beziehungen. Iran ist auch Verbündeter, wenn auch ein sehr spezieller. Der Süden des Iraks wird de facto bereits von den schiitischen Verbündeten Irans kontrolliert. Geostrategisch und auch geoökonomisch gesehen, dringt China hier nicht nur bis an die Küste des Indischen Ozeans, sondern, so gesehen, auch bis zum Atlantik vor (nämlich an die syrische Mittelmeerküste). Objektiv gesprochen sind die westlichen Kreuzritter in Syrien an die Chinesische Mauer gestossen.
Erstmals ist die englisch-amerikanisch-jüdische Elite, die sich innerhalb der letzten Jahrhunderte herangebildet hat und zu einer organisationellen historischen Errungenschaft des Westens geworden ist, hier auf einen globalen Gegner eines nicht westlichen Typs gestossen (denn auch die Führungsspitze der UdSSR war die Umsetzung eines linken Projekts des Westens, einer jakobinischen Moderne). Ausserdem steht dem europäischen Segment der westlichen Elite, woher diese ja auch die historische Erfahrung bezieht, das nicht minder alte, vielleicht sogar noch ältere chinesische Segment gegenüber. Ebensosehr auf das Materielle, den Handel und Geld orientiert. Dabei aber auch noch sehr abenteuerlustig, denn die Chinesen haben ja auch ihr eigenes globales, kriminelles System.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Ziel des Westens: China fallen zu sehen, von den Rohstoffquellen zu trennen und technologisch zu ersticken

Die chinesische Mafia ist wahrscheinlich noch etwas heftiger als die italienische …

Ja, und die chinesischen Goldreserven als bedrohliche Finanzwaffe wollen wir gar nicht erst erwähnen.
Peking versteht sehr wohl, dass Syrien lediglich ein Wegpunkt in der Hauptstossrichtung der Nordatlantiker ist – und Ziel ist es, China fallen zu sehen, es in die Schranken seiner eigenen Landesgrenzen zu verweisen, es von den Rohstoffquellen zu trennen und technologisch zu ersticken. Deswegen haben wir es mit einer solch harten Position Chinas zu Syrien in der Uno zu tun.

Was ist mit der Position Moskaus? Warum ist diese jetzt so anders als im Falle von Libyen?

Erstens haben wir heute einen anderen Präsidenten. Zweitens hat die Geschichte mit Gaddafi, wie ich meine, die russische Führung einiges gelehrt. Drittens unterhält Russland in Syrien einen Marinestützpunkt. Viertens hat die russische Rüstungsindustrie starkes Interesse an Syrien, und wirtschaftliche Interessen sind für die russische Führung eine heilige Sache. Fünftens ist Syrien Russlands Grenzen und dem postsowjetischen Raum viel näher als Libyen. Alles das bestimmt Moskaus ­Position, welche durch ihr atomares und diplomatisches Potential die chinesische ­Position stützt. Allein würden weder Russland noch China bestehen können.
Sicherlich können die Angelsachsen auf Russlands und Chinas Veto in der UN pfeifen, auf die Uno und das internationale Recht insgesamt, die sie ohnehin aufzuheben gedenken. Aber das sind bisher nur Absichten. Denn wie Stalin einmal sagte, die Logik der Umstände ist immer stärker als die Logik der Absichten. Diese Umstände sind Russ­land und China, die einen rasenden Zorn der Nordatlantiker bewirken – es genügt, sich ein paarmal Frau Clinton anzuhören und ihre Mimik zu betrachten.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

USA heute in der Überspannung der Kräfte

Ungeachtet der unnachgiebigen Position Moskaus und Pekings zieht sich der Westen nicht zurück. Wieso nicht?

Erstens liegt es nicht in der historischen Tradition der Angelsachsen, ihre Beute fahren zu lassen, in die sie sich einmal wie ein Pitbull verbissen haben. Sie werden bis zum Anschlag Druck ausüben, bis sie ihr Vorhaben durchgesetzt haben oder bis der Gegner ihnen das Gebiss bricht. Zweitens sind die Angelsachsen im Verlauf der letzten 25–30 Jahre, nachdem sie die sowjetische Elite besiegt haben (es geht genau um die sowjetische Elite – sie hat kapituliert), einfach überheblich geworden. Sie haben sich daran gewöhnt, dass Russland alles aufgibt, und bauen darauf, auf die russische Elite Druck ausüben zu können, schon weil diese ihr Geld in westlichen Banken deponiert hat. Drittens, und das ist der Hauptgrund, welcher alle anderen überwiegt: Die Einsätze sind viel zu hoch, auf dem Spiel steht das Schicksal der nordatlantischen Eliten selbst, es geht durchaus nicht nur um die Kohlenwasserstoffvorräte oder den Nahen Osten. Der Westen hat keine andere Möglichkeit, als weiter vorwärts zu preschen. Die Sache ist folgende: Ungeachtet des enormen materiellen und Informationspotentials dieser gigantischen Maschinerie, die von höchst erfahrenen übernationalen Geokonstrukteuren und Geoingenieuren gesteuert wird, erleben die USA heute eine Überspannung der Kräfte. «Nihil dat fortuna mancipio» – das Schicksal gewährt nichts für ewig! Amerikas Zeit geht vorüber. Um den endgültigen Fall aufzuschieben oder gar zu vermeiden, braucht Amerika eine Verschnaufpause. Nicht von ungefähr geht es in der neuen Militärdoktrin, die Obama am 5. Januar 2012 verkündet hat, jetzt darum, dass die USA nicht mehr – wie bis dato – zu zwei parallel laufenden Kriegen gerüstet sein müssen, sondern nur noch zu einem plus zu indirekten Aktivitäten in mehreren Regionen. Zu berücksichtigen gilt es ferner, dass die Amerikaner bis zu 60% ihrer Militärmacht in den Stillen Ozean, den ostpazifischen Raum, umgruppieren und sich so auf Auseinandersetzungen mit China vorbereiten. Nicht von ungefähr bringt das Journal Foreign Affairs, eine Publikation des Council on Foreign Relations (CFO) – eine der einflussreichsten amerikanischen Strukturen in Fragen internationaler Beziehungen – neuerdings immer wieder Artikel, die direkt aussagen: Die USA brauchen eine Verschnaufpause, «um sich auf der Wiedererrichtung des Fundaments nationaler Blüte zu konzentrieren». Amerika erinnert heute an das Römische Reich zu Zeiten Kaiser Trajans (Anfang des 2. Jh. n. Chr.). Damals ist Rom von strategischen Angriffen zur strategischen Defensive übergegangen; Rom begann damit, den Limes zu bauen und einige eroberte Gebiete aufzugeben, in erster Linie im Nahen Osten.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Gesteuertes Chaos: Damit der Platz beim Abzug nicht von Konkurrenten besetzt werden kann

Das ist eine direkte Analogie. Die USA haben vor, Afghanistan zu verlassen, aus dem Irak sind sie abgezogen …

Die Ergebnisse des Nato-Gipfels in Chicago am 20. und 21. Mai 2012 haben gezeigt: Im direkten Sinne werden weder die USA noch die Nato den Nahen Osten oder Afghanistan wirklich verlassen. Nicht deshalb sind sie ja schliesslich dahin gegangen. Allerdings müssen sie dort im bisherigen S inne «heraus», das Führungsmodell dort wird ein anderes. Und das ganz einfach, damit der Platz nicht von den Konkurrenten besetzt wird, nämlich von der EU und vor allen Dingen von China. Das ist der Sinn hinter diesem neuen Modell der Steuerung der Region: gesteuertes Chaos. Einen besseren Kandidaten dafür, dieses Modell zu implementieren und aufrechtzuerhalten, als die Islamisten, die «Kettenhunde der Globalisierung auf amerikanisch», kann man sich gar nicht vorstellen. Und nun sehen wir, wie im Nahen Osten – speziell im Schlüsselland Ägypten – als Ergebnis des sogenannten «arabischen Frühlings» gerade die Islamisten an die Macht kommen. Besser gesagt sind sie es, denen man den Weg freimacht. Allerdings haben die Angelsachsen auf diesem Weg zwei Länder als Stolpersteine angetroffen, zwei Länder, in denen die Islamisten entweder nicht stark oder nicht aktiv waren. Das sind Libyen und Syrien. Libyen ist bereits durch die barbarische Nato-Aggression vernichtet worden, Syrien wird heute belagert. Syriens Armee kämpft gegen den internationalen Terrorismus, der, wie es sich für ihn auch geziemt, von den Strippenziehern der englisch-amerikanischen Spitze gesteuert wird.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Das wahre Gesicht der «Freunde Syriens»

Mit Verlaub, Andrej Iljitsch! Die westlichen Medien berichten, dass das Volk gegen das Assad-Regime aufbegehrt hat. Die Aufständischen sind Syrer, welche aus der Armee desertiert sind.

Dafür sind es ja die westlichen Medien oder besser: Mittel für Massenpropaganda, Agitation und Desinformation. Sie erfüllen die rein militärische Aufgabe eines Informations- und psychohistorischen Kriegs. Die «syrischen Rebellen» haben moderne Präzisionswaffen, Panzerabwehrwaffen, Wärmesichtgeräte, beste Scharfschützengewehre und vieles andere, vor allen Dingen aus türkischer Produktion. Ist das nicht ein wenig fett für Deserteure und Flüchtlinge? Doch das wichtigste ist die Organisation der bewaffneten Auseinandersetzungen. Seit Ende Juni hat sich die Situation in Syrien grundlegend gewandelt. Assad hat es nun mit einer hochqualifizierten Stabs­kultur der Planer hinter den militärischen ­Diversionen [Ablenkungen] zu tun, zu der Deserteure vom Rang Hauptmann bis Major gar nicht in der Lage sind. Von der Zermürbung und Ermattung der syrischen Armee sind die «Aufständischen» zur Taktik massiver Angriffe übergegangen, hinter denen offenbar ein Kontingent von 25- bis 30 000 Mann steht. Die bewaffneten Kämpfer sind Abkömmlinge aus Libyen, Tunesien, Afghanistan und anderen islamischen Ländern. Sie nach Syrien zu werfen, löst übrigens für den Westen und die sunnitischen Monarchien ein wichtiges Problem. Denn dieser Brennstoff muss ja irgendwo und irgendwie beschäftigt werden. Arbeiten werden diese Jungs nicht, und ein verrückt gewordener Hund könnte auch seinen Herrn beissen.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Der internationale Terrorismus, gegen den die USA angeblich kämpfen, ist in Wahrheit ihre Waffe, von ihnen selbst geschaffen

Zusammen mit den professionellen Söldnern und den internationalen Terroristen kämpfen auch weiterhin Teile von syrischen kriminellen Clans gegen die Regierungstruppen; sie morden ihre eigenen Nachbarn und lasten die Verbrechen dann dem Assad-Regime an. Die Situation in Syrien hat eine Tatsache glasklar herausgestellt: Der internationale Terrorismus, gegen den die USA angeblich kämpfen, ist in Wahrheit ihre Waffe, von ihnen selbst geschaffen. In Libyen hat al-Kaida die von den Atlantisten gestellten Aufgaben erledigt. Nach Syrien werden die bewaffneten Kämpfer vom Islamisten Abd al-Hakim Balhadsch eingeschleust, der seinerzeit das Kommando über die libyschen «Aufständischen» hatte. Er ist der einflussreichste Militär in Tripoli, ist bereits lange Zeit mit al-Kaida verbandelt. Al-Kaida ist ein sehr bequemes Instrument für die amerikanischen und britischen Geheimdienste. Wenn es sein muss, kann man sie die eigenen Twin-Tower sprengen lassen, die Schuld der Organisation bin Ladins zuschieben. Und wenn es sein muss, kann man sich mit dieser Organisation in Ekstase vereinen und gegen Gaddafi oder Assad vorgehen. Jetzt ist al-Kaida wieder gut; wie unser Protopope Awwakum einst sagte, «gestern noch ein Hurensohn und heute schon ein Priester».
Sie sollen aufhören, uns Unsinn zu erzählen: Die Syrer kämpfen nicht gegen die Syrer, sondern gegen die angelsächsische Elite, die mit den Händen internationaler Terroristen Krieg führt. Deren Vorgehen in Syrien gleicht zum Beispiel den Todesschwadronen des John Negroponte in Guatemala. Die «Freunde Syriens» (die früheren «Freunde Jugoslawiens, Iraks, Libyens») sind in ihrer Perspektive auch die «Freunde Russlands», sind selbst die hauptsächliche internationale Terrormacht. Ich hoffe sehr, dass sie und ihre Handlanger (auch die aus Den Haag) letztlich «ihr Nürnberg» erwartet. Viele auch im Westen beschreiben die Ähnlichkeit zwischen dem Überfall auf den Irak durch Bush jr. mit Hitlers Überfall auf Polen, die Niederlande und Frankreich. Die Frage ist nur, wird Syrien die letzte Linie vor einem neuen, nun schon nicht mehr einem Welt-, sondern einem globalen Krieg werden? Früher oder später wird die Kriminalisierung der Politik der westlichen Führung nämlich genau dazu führen.

Die USA haben die jüngsten Terroranschläge in Damaskus, die den Tod einiger syrischer Regierungsmitglieder nach sich zogen, de facto gerechtfertigt.

Ja, unter den Ermordeten sind der Verteidigungsminister Daud Radschha, der Chef des militärischen Nachrichtendiensts Assef Schawkat, und der Leiter des Antikrisenkomitees, Hassan Turkmani – Assad sehr nahestehende Leute, seine Stütze. Eine solche Aktion stand zu erwarten; ich glaube nicht, dass sie ohne Mitarbeiter westlicher Geheimdienste möglich gewesen ist. Baschar al-Assad hält stand, man hat ihn in 15 Monaten nicht brechen können, deshalb steht der Kurs jetzt auf physische Vernichtung des syrischen Präsidenten und der ihm nahestehenden Personen. Die Rechnung lautet, dass nach dem Weggang Assads sein Regime zusammenbricht. Ob diese Rechnung so aufgeht, ist eine andere Frage. Hier ist etwas anderes wichtig: Die westliche Elite hat nach dem Mord an Gaddafi offen und unverhohlen den Weg der physischen Vernichtung solcher Führer eingeschlagen, die ihren Plänen entgegenstehen, das heisst: den Weg des Terrors. Und während man gegen Miloševic und Saddam Hussein noch Farce-artige Gerichtsprozesse veranstaltet hat, wurde Gaddafi auf völlig banditische, «konkrete» Weise einfach nur umgebracht, und dabei blieb das «Wow!» nicht einmal mehr im Halse stecken. Was war allein die Szene im vorigen Mai im Weissen Haus wert, als die Führung der USA sich offen vor den Fernsehschirmen sammelte, um der Tötung von «bin Ladin» zuzusehen. Wie vertiert und moralisch degeneriert muss man sein, um sich wie der mittelalterliche Pöbel Morde zu Gemüte zu führen und dazu mit der Zunge zu schnalzen! Die westliche Führung legt das Verhalten einer globalen Verbrecherorganisation an den Tag und verheimlicht dies nicht einmal. Das Prinzip ist: «Du bist schon allein deswegen schuld, weil ich Hunger habe.» So hat der vorige proamerikanische Präsident Frankreichs, Sarkozy, den syrischen Christen (etwa 10% der Bevölkerung Syriens) ja auch direkt gedroht, dass – sollten sie weiterhin Assad unterstützen – sie Opfer von Anschlägen würden. Und das passiert ja auch bereits. Man mordet dabei aber nicht nur Christen, sondern auch Drusen, Alawiten, Mitglieder der seit 1963 regierenden Baath-Partei. Doch das grosse Morden wird erst noch beginnen, wenn es dem Westen gelingt, das Assad-Regime zu stürzen. Was erst im Falle einer ausländischen Militär­intervention möglich wird.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Taktik der Zerrüttung und massiver Angriffe kombiniert

Denken Sie, dass der Westen so weit gehen wird?

Diese Frage stellt man besser der globalen Verbrecherorganisation, die ihre «Aktien» in Washington, New York, London und Brüssel hat. Wir können nur mögliche Varianten abwägen. Die einzige militärische Macht, auf die die Nato bisher zählt, ist die Türkei, die davon träumt, dass Syrien in vier bis sechs Teile zerlegt wird, über die Hälfte davon die Kontrolle erhält und damit dem zu ähneln anfängt, was wir als das Osmanische Reich kennen. Allerdings ist ein solcher Krieg für die Türkei unter Berücksichtigung der ­Positionen Russlands, Chinas, Irans plus der Kurdenfrage eine recht unsichere Sache, selbst bei militärtechnischer Unterstützung durch die Nato. Und Syrien selbst ist auch kein Schwächling. Man kann deswegen eher davon ausgehen, dass der derzeitige Krieg so weitergeht, indem der Westen sich darum bemühen wird, Syrien durch die Hände der Söldner zu zerdrücken, indem die Taktiken der Zerrüttung und massiver Angriffe kombiniert und gezielt die physische Vernichtung Assads versucht wird. Die USA und Grossbritannien haben viel zu viel in die Vernichtung des syrischen Regimes investiert und können nur in einem Fall zurück, wenn der Preis für einen Sieg zu hoch wird.

Haben sie denn tatsächlich so viel investiert?

Ja. Sowohl im finanziellen als auch im organisatorischen Sinn. Noch 2006 startete das Programm «Demokratie in Syrien», das Geldmittel für Projekte in der Gesamtsumme von 5 Millionen US-Dollar bereithielt. 2009 bekam der «Rat für Demokratie», der diese Geldmittel unter den «Demokratisatoren» in den Ländern verteilte, die von den USA geschwächt werden sollten, vom State Department 6,3 Millionen US-Dollar für das mit Syrien zusammenhängende Programm «Initiative zur Festigung der Zivilgesellschaft» (offenbar meinen die Angelsachsen, dass eine Zivilgesellschaft aufgebaut wird, wenn durch die Hände von Söldnern syrische Kinder und Frauen ermordet werden). Das «Syrian Business Forum» verwaltet zum Beispiel ein Budget von mindestens 300 Millionen Dollar. Die Hälfte dieser Mittel gilt der Finanzierung der «freien Syrischen Armee». Eine aktive Rolle bei der Finanzierung der Anti-Assad-Kräfte spielen Saudi-Arabien und Katar, die diesbezüglich ein Geheimabkommen unterzeichnet haben. Die Positionen der Saudis und des Premierministers von Katar, Scheich Hamad ben Dschassem Al Thani, sind deutliche Zeugnisse für die Allianz zwischen dem Westen und den Salafiten. Es war in Katar, wo gestellte Szenen von angeblichen Kämpfen in Tripoli und Damaskus gedreht wurden, als es diese Kämpfe noch gar nicht gab. Der Emir bezahlte den Sturm von Tripoli und entsandte eine arabische Mischpoke von 6 000 Mann dazu, welche Militäruniformen des Emirats Katar trugen. Übrigens war es auch Ben Dschassem, der die Handgreiflichkeiten gegen den russischen Botschafter Titorenko in Katar angeordnet hat.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Kampf um Eurasien

Manche westlichen Politiker tragen der russischen Führung an, Assad und seine Familie in Russland aufzunehmen. Nach dem Motto, das syrische Volk wird es Russland danken. Was droht Russland durch den Sturz des Assad-Regimes?

Syrien ist unser einziger Alliierter in der arabischen Welt. Mit dessen Fall verlieren wir endgültig alle unsere Positionen in der Region. Aber es geht nicht nur um die arabische Welt. Russland kann sehr leicht komplett in der historischen Versenkung verschwinden. Nach Syrien und Iran (denn dass die Atlantisten nach Syrien Iran überfallen, ist sehr wahrscheinlich – die Analytiker bringen sogar bereits den Namen der Militäroperation, welche durch einen amerikanisch-israelischen Schlag gegen die Hizbollah beginnen soll: «Das grosse Gewitter») kommen wahrscheinlich auch wir an die Reihe. Man kann also sagen: Man schlägt Syrien (und Iran), gezielt wird aber letztlich auf Russland. Die Vorbereitungen laufen bereits in allen Richtungen: die Lage im Nahen Osten, der «Raketenschild», die Nato-Ost-Erweiterung und so weiter.

Die Sache mit dem Raketenschild und der Nato-Ost-Erweiterung ist klar. Aber wie hängen Syrien und Iran konkret mit unserer Sicherheit zusammen?

Sie sind unseren Grenzen und unserem Einflussgebiet – Transkaukasien und Zentral­asien – sehr nahe. Wenn die derzeitigen Regimes in Damaskus und Teheran fallen, so wird sich die ganze Zone des von den Atlantisten «gesteuerten Chaos» von Mauretanien und dem Maghreb bis nach Kirgisien und Kaschmir erstrecken. Der Bogen der Instabilität wird sich wie ein Keil gegen das zentrale Eurasien vorschieben, von wo aus die Atlantisten Russland und China schon direkt bedrohen. Vor allem aber Russland.

Alles Wahnsinn der Macht – anstatt Rohstoffe zu kaufen

Warum Russland vor allen anderen Dingen?

Die zu erwartende Weltsystemkrise hebt die Bedeutung der Kontrolle über die Ressourcen ins Unermessliche. Die Bedeutung wird unter den Bedingungen der prognostizierten geoklimatischen und geophysischen Katastrophe noch potenziert. Ich rede jetzt nicht von der mythologischen «globalen Erwärmung». Sondern vom durchaus prosaischen Abklingen des Golfstroms, der Umstellung der Nahrungsketten in den Weltozeanen (das passiert einmal in 11½ bis 12½ Jahrtausenden) – das sind Umbrüche eines planetaren Ausmasses, die ungefähr zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzten und etwa im ersten Drittel des 22. Jahrhunderts abgeschlossen sein werden. Unter solchen Krisenbedingungen und nach einer solchen Krise ist die einzige stabile und Ressourcen-aufweisende Region in der Welt das nördliche Eurasien, also hauptsächlich das geographische Gebiet Russlands. Das macht unser Territorium zur wichtigsten geo­historischen Beute des 21. Jahrhunderts und der darauffolgenden Jahrhunderte. Die bekannten Russophoben Brzezinski, Albright und andere im Westen haben mehrfach ausgesagt, es sei ungerecht, dass Russland über ein solches Territorium und solche Ressourcen verfüge. Das solle der Weltgemeinschaft gehören – das heisst den atlantischen Eliten, die in Logen, Clubs, Kommissionen, Orden und ausserordentlichen Strukturen organisiert sind.
Allerdings ist es dazu nötig, die Kontrolle über das nördliche Eurasien zu gewinnen, ein Aufmarschgebiet – Zentralasien. Die Amerikaner sind auch bereits vor Ort, doch vom durch sie kontrollierten Nahen Osten sind sie eben noch durch Syrien und Iran von Zentralasien getrennt. Hier reisst die Zündschnur, die man in Nordafrika angesteckt hat, bisher noch ab und erlischt. Ohne die Vernichtung dieser beiden Länder können die Atlantisten den Kampf ums nördliche Eurasien nicht angehen. Sie betrachten Russland als Rohstoffquelle, China als Quelle für Arbeitskraft, das heisst, als etwas eigentlich Sekundäres. Und wenn sich dieses Sekundäre ihren Plänen entgegenstellt, macht sie das so ziemlich verrückt. Die Lösung der russischen und chinesischen Frage wird vom Westen gerade eben mit Hilfe des Islam, der Araber angegangen. Egal, ob das nun in Form des gesteuerten Chaos einer neuen arabischen Eroberung oder eines Krieges zwischen Kalifat und Ungläubigen passiert. Dabei werden die Angelsachsen sich getreu ihrer Tradition bemühen, grössere Staaten und Völker gegeneinander aufzuhetzen, diese zu schwächen oder gar zu vernichten (zweimal im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden Russland und Deutschland gegeneinander gehetzt), sich allerdings auch bemühen, den Islam auszuschalten. Das passiert durch dessen maximale Radikalisierung mit dem Wahhabismus, dem Entzug seiner inneren wirtschaftlichen und demographischen Kraft im Verlauf der eurasischen Kriege, wonach die islamische Welt später in eine Art neotraditionelles Ghetto verwandelt werden wird, das keine eigenen Ressourcen und Technologien besitzt. Die, welche in ihrer Kindheit «Dungeons & Dragons» gespielt haben, erinnern sich wahrscheinlich an die Variante einer «Welt der schwarzen Sonne». Die Globalisten werden versuchen, die islamische Welt in eine Menge kleiner Einheiten zu zerschlagen, mit denen private Militärfirmen oder Konzernsöldner leicht zu Rande kommen, die Reste von Ressourcen aus ihnen herauspressen und sie anschliessend auf der Müllhalde der Geschichte entsorgen. Der Westen wird nur über Punkte mit Ressourcenkonzentration Kontrolle ausüben (zum Beispiel, heute schon Realität, über die fast 1800 Kilometer lange Mittelmeerküste Libyens); das andere gibt man Stämmen, Clans und kriminellen Syndikaten zur freien Verfügung, von denen jeder sein Stück und Stückchen kontrollieren wird. Zu solchen «Stückchen» können auch Teile von Saudi-Arabien, Pakistan (Abtrennung von Belutschistan), Iran werden – ein islamisches Mosaik. Gleichzeitig braucht der Westen Aufseher in der Region, und diese Rolle kann durchaus zu Grosskurdistan passen. Ein einziger Staat, dem es gestattet sein wird, gross zu sein.

Weshalb?

Auf dem Gebiet Grosskurdistans, sollte dieses einmal geschaffen werden, werden sich die Quellen aller grösseren Flüsse der Region befinden. Das bedeutet, dass in der kommenden, an Wasser armen Epoche und folglich einer Epoche von Kriegen um das Wasser als Ressource, die wichtigsten Hebel des Einflusses auf die Region – wie zu Zeiten des ­Assyrischen Reiches – in den Händen des uralten Volks der Kurden sein werden. Kurdistan könnte zum wichtigsten Wachhund der Region werden und in dieser Rolle Israel ablösen.

Über Israel bitte etwas genauer!

Israels Perspektiven sind im sich wandelnden Nahen Osten ziemlich nebulös. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Westen Israel demontieren, weil Israel einfach nicht mehr notwendig sein wird, so wie es Arnold J. Toynbee noch 1957 vorausgesagt hat. Sicherlich erst nach der Evakuierung des «oberen Drittels» der Bevölkerung. Die Variante der Schaffung eines Grosskurdistans und der Demontage Israels ist nicht zu hundert Prozent, aber doch sehr wahrscheinlich. Freilich ist das keine Sache der kommenden paar Jahre.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Den Nattern nicht trauen

Was sollte Russland denn in der dramatischen Situation, die sich um Syrien aufbaut, unternehmen?

Das, was Russland bereits tut – nämlich Syrien bis zum Äussersten unterstützen, es nicht zulassen, dass man es zerdrückt. Wir haben bereits Einheiten der Kriegsmarine entsandt, kein grosses Kontingent, aber besser als gar nichts. Und wenn man schon Krieg führt, tut man das besser nicht durch Quantität, sondern durch Können. Weiter. Am 7. Juni gab es Raketentests zweier ballistischer Interkontinentalraketen: eines «Topol» (das haben wir bestätigt) und einer «Bulawa» (das haben wir nicht bestätigt, aber die Amerikaner bestehen zumindest darauf, dass es einen solchen Start gegeben hat). Das ist ein gewisses Zeichen. Denn Russland ist trotz aller Militärreformen immer noch eine Nuklearmacht, und wir sind es, nicht so sehr die Chinesen, die von den Amerikanern immer schon als Hauptfeind gesehen wurden, das tun sie immer noch und werden es auch weiter tun. Unsere Diplomaten tun ihre Arbeit. Es hat mir gefallen, wie Witali Tschurkin mit dem Botschafter Katars gesprochen hat, ich stelle mit einiger Genugtuung die Ohnmacht in der Bosheit der Madame Clinton und einiger niederer Offizieller des State Department fest, die sie gegen unsere Führung demonstrieren. Es ist zu begrüssen, dass die syrische Luftabwehr bereits 18 Einheiten unserer «Buk-M2»-Raketensysteme und 36 Einheiten unserer Luftabwehrraketen-Systeme vom Typ «Panzir S1» erhalten hat; dazu stehen Lieferungen von S-300-Systemen und Mi-25-Hubschraubern aus.
Ich rechne sehr mit dem Selbsterhaltungstrieb der russischen Führung und damit, dass sie aus den tragischen Schicksalen Miloševics, Saddam Husseins und Gaddafis die richtigen Schlüsse gezogen haben. Diese haben dem Westen einmal vertraut und das mit ihrem Leben bezahlt. Shakespeares Hamlet sagt von Rosenkranz und Güldenstern: «… die beiden, denen ich wie Nattern traue.» Man darf Nattern nicht trauen – sie beissen, und zwar tödlich, im banalen physischen Sinn dieses Wortes. Oder sie versuchen zu beissen und nutzen dafür innere Probleme; von denen hat Russland wahrlich mehr als genug. Ist es denn Zufall, dass die Zusammenrottungen der «Weissen Schleifen» Ende 2011/Anfang 2012 auf interessante Weise mit der Erklärung der russischen Führung zusammenfielen, hinsichtlich der syrischen Sache eine harte ­Position zu verfolgen? Sicher nicht. Und hier tritt das Problem der «fünften ­Kolonne» mit aller Schärfe zutage, die sich bei uns im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts herangebildet hat. Wir leben in einem Zeitalter des Krieges, welches mit der Nato-­Aggression gegen Jugoslawien begonnen hat und der inzwischen mit denselben Nato-Stiefeln gegen die Pforten Syriens tritt. In solchen Zeiten muss man gemäss der Leitlinien von Kriegszeiten handeln. Noch nie ist es jemandem gelungen, einen äusseren Feind zu besiegen oder ihm auch nur zu widerstehen, ohne gleichzeitig oder vorher die «fünfte Kolonne» unter Kontrolle gebracht zu haben; selbstverständlich legal, nur legal. Und schlussendlich bedarf es eines internationalen politischen und militärischen Bündnisses, das in der Lage wäre, den Aggressor zu bändigen und Sicherheit oder wenigstens eine Atempause von 8 bis 10 Jahren zu verschaffen. In dieser Zeit kann Russland es schaffen, sich aufzuraffen und sich auf den grossen Krieg des 21. Jahrhunderts vorzubereiten – auf die letzte grosse Jagd der Epoche des Kapitalismus, die leider höchstwahrscheinlich unvermeidbar ist. Sich darauf vorbereiten und dabei bestehen.
Nun und für den Moment gilt es, den ­potentiellen Gegner möglichst fernab zu halten und die Schwachen darin zu unterstützen, diesen Gegner in der Ferne zu schlagen – das ist nicht nur strategisch richtig, sondern auch moralisch.

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Lehren und Prognosen

Was sind die Lehren aus Libyen und Syrien für Russland?

Zuallererst: Vertraue niemals, unter keinen Umständen, der westlichen Führung. Sie wird uns immer als Hauptfeind betrachten und zum Zeitpunkt unserer maximalen Schwäche, auf die sie selbst hinarbeitet, unerbittlich zuschlagen und versuchen, die «russische Frage» zu klären. Leonid Schebarschin sagte einmal: «Der Westen will von Russland nur eines: dass es Russland nicht mehr gibt.» Wie man die Schwachen beseitigt, haben wir am Beispiel Libyens erlebt. Wie man sich die Zähne an den stärkeren ausbeisst, sehen wir am Beispiel Syriens.
Das zweite: Die libysche und syrische Variante der Nato-Aggression demonstrieren, wie sich die Ereignisse bei uns im Falle von militärischen Handlungen entwickeln werden: Krieg wird durch Söldner geführt, vor allem durch Araber, aber auch durch private Militärfirmen. Nach syrischem Muster wird man versuchen, den Kaukasus und die Wolga­region zu destabilisieren: Man besetzt eine Stadt oder einen Teil davon, Massaker, Anrufung der «Weltöffentlichkeit», welche auf Sanktionen, Kontrolle, Stützpunkte drängen wird (einen solchen haben wir bereits im Hinterland, nämlich die Nato-Nachschub­basis in Uljanowsk).
Das dritte: Bei aller entscheidenden Rolle des äusseren Faktors spielt bei der Situation in Syrien der Zustand des «Objekts», auf das dieser Faktor gerichtet ist, eine äusserst bedeutsame Rolle: ein ineffizientes Regierungssystem, Korruption und so weiter, was alles in allem Angriffsfläche bietet. In dieser Hinsicht ist Russland auch sehr verwundbar: Wir haben eine genauso ineffiziente Führung, Korruption, eine kriminalisierte Wirtschaft, eine enge Verflechtung unserer Wirtschaftsgrössen mit der Weltwirtschaft, folglich also auch eine Schicht pro-westlicher Compradores, dabei ein niedriges professionelles und moralisches Niveau der Oberschicht, das Vorherrschen von Interessen einzelner Clans vor den Interessen des Landes. Vom Zerfall der Armee, der geistlichen und moralischen Krise ganz zu schweigen, ebenso von der «Abnutzung» des Humanpotentials eines bedeutenden Teils der Bevölkerung.

 

1) Vertraue niemals, unter keinen Umständen, der westlichen Führung
2) Krieg wird durch Söldner geführt, vor allem durch Araber, aber auch durch private Militärfirmen
3) Ineffizientes Regierungssystem, Korruption usw. bieten Angriffsfläche

 

Es ist sicher wahr, dass eine äussere Bedrohung die Bevölkerung zusammenschweissen und mobilisieren kann, denn so ist es mit den Russen bisher immer gewesen, ob 1612, 1812 oder 1941. Das weiss der Gegner aber nur zu gut. In diesem Sinne ist der kürzliche Artikel Henry Kissingers zur Situation in Syrien sehr interessant: Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, alles klar auszudrücken, gibt es hier eine Menge an nebulösen Erörterungen, einschliesslich der Erwähnung des Heiligen Römischen Reiches und wie man es letztlich zu Fall brachte. Doch wenn man die reine Logik dieses Texts verfolgt und exakt das formuliert, was einer der grössten «Hintermänner» dieser Welt angedeutet hat, bekommt man folgendes: Der «alte Henry» warnt den Westen davor, einen derartigen Druck auf Syrien auszuüben, der eine unnachgiebige Position Russlands zur Folge hätte und es zur Konfrontation mit dem Westen treibt. Denn das birgt die Gefahr, all das zu verlieren, was man sich in den letzten 20 Jahren an der Schwächung Russlands erarbeitet hat. Und diese Resultate sind wichtiger als Syrien.
Kissinger, der alte Hund, geht der Sache absolut auf den Grund!
Tatsächlich kann eine Konfrontation mit dem Westen die Situation in Russland grundlegend ändern, und zwar in allen sozialen Schichten, vor allem aber in der Oberschicht, die nicht nur verstehen, sondern am eigenen Leib spüren wird, dass die westliche Elite sie niemals in ihre Kreise aufnehmen wird, sondern dass sie ganz im Gegenteil früher oder später von ihr gefressen wird. Wenn das aber so ist, so ist ein wesentlicher Kurswechsel nötig, wenigstens um Reichtümer, Status und Leben zu bewahren. Die Beispiele solcher doch pro-westlicher arabischer Führer wie Ben Ali oder Mubarak demonstrieren doch den Wahrheitsgehalt der These des herausragenden russischen Geopolitikers Alexej Jedrichin-Wandam: «Schlimmer als die Feindschaft mit den Angelsachsen kann nur eines sein: die Freundschaft mit ihnen.» Der Westen, insbesondere die Angelsachsen, garantieren niemandem etwas, noch viel weniger jemandem, der sein Land und sein Volk verraten hat. Die Alten pflegten zu sagen: «Roma traditoribus non premia» (Rom bezahlt keine Verräter). Genauer gesagt, bezahlt es sie schon, aber nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Danach geht man getrennter Wege. Auch das ist eine Lektion aus dem Nahen Osten für Moskau.

Wann kann man, Ihrer Ansicht nach, merkliche Änderungen der Situation erwarten?

Ja, bin ich denn ein Prophet? Es ist schwierig, in der gegenwärtigen Welt, die sich an einem Scheidepunkt befindet, irgendwelche Prognosen zu machen. Wenn man allerdings vom Zustand der Wirtschaft der USA ausgeht, deren Remission (im medizinischen Sinn) entsprechend einiger Prognosen im Frühjahr 2013 vorbei sein wird, und wenn man weiterhin bedenkt, dass vor den US-Präsidentschaftswahlen wahrscheinlich keine schwerwiegenderen Aktionen zu erwarten sind, so kommt man auf einen Zeitraum von ungefähr Dezember 2012 bis Februar 2013.

Himmel, Sie nennen ja geradezu mystische Daten: das Ende der Welt nach dem Maya-Kalender, das Kommen des himmlischen Mörders Nibiru …

Das ist keine Mystik, sondern Manipulation des öffentlichen Bewusstseins, dessen Loslösen von den realen Problemen und das Verschrecken bis hin zu einem Zustand, in dem der Mensch selbst ruft: «Ich bin für eine Weltregierung, nur sie kann mich vor der Katastrophe bewahren, vor dem gigantischen Asteroiden, vor Aliens …!» Viel gefährlicher als Aliens sind nämlich solche «Jungs», die jenseits von Gut und Böse leben und mit der Erbarmungslosigkeit von Reptilien die Menschheit dahinraffen. Sie sind es, die gegen Syrien anstürmen, und genau diese gilt es jetzt am «Grenzpunkt Syrien» aufzuhalten. Wie hiess es doch bei Voltaire: «Die Natter zermalmen»!    •

Inhaltsverzeichniss des Interviews

Quelle: Jewgenij Tschernych, KP.ru,  15. August 2012

Nachdem ich dieses Interview mit Herr Prof. Andrej Iljitsch Fursow in zeit-fragen gelesen habe und dieses fast auf den Punkt genau meinen eigenen Ansichten zum aktuellen Zeitgeschehen entspricht, habe ich mich entschlossen dieses auch hier auf meiner Homepage zu plazieren. Ich hoffe die zeit-fragen tragen mir dies nicht nach.


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weitere Texte die sich mit der aktuellen geopolitischen Realitäten befassen:

Staaten zertrümmern
Hintergrund. Libanon, Irak, Libyen, Syrien und anderswo: Der Westen arbeitet mit Hochdruck an einer Balkanisierung des »Greater Middle East« Von Knut Mellenthin

Den Krieg in Libyen verstehen

  1. Was sind die wahren Ziele der USA?
  2. Die Ziele der USA gehen über das Öl weit hinaus
  3. Was sind die nächsten Ziele in Afrika?
von Michel Collon --- 3 teiliger Post aus seiner Webseite "Investig`Action"

Das Projekt der neuen Weltordnung stolpert über geopolitische Realitäten
von Imad Fawzi Shueibi - voltairenet.org

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Nachrichten aus Absurdistan

Drachenwut's Politikblog

Geopolitisches Schachbrett: Teile, erobere und beherrsche den »neuen Nahen und Mittleren Osten«

von Global Research, November 30, 2011

Der Ausdruck »Arabischer Frühling« ist ein Schlagwort, das in weit entfernten Büros in Washington, London, Paris und Brüssel von Personen oder Gruppen erfunden wurde, die sehr wenig über die Araber wissen und keinesfalls über irgendwelches Expertenwissen über die Region verfügen. Was sich derzeit in den arabischen Bevölkerungen entwickelt, besitzt keine homogene Struktur, sondern ist von vielfältigen Faktoren bestimmt. Der Wille zum Aufstand gehört ebenso wie Opportunismus dazu. Und jede Revolution ist mit einer Gegenrevolution konfrontiert.

Die Aufstände und Proteste in der arabischen Welt stellen auch kein »arabisches Erwachen« dar; ein solcher Begriff setzte voraus, dass die Araber die ganze Zeit geschlafen hätten, während um sie herum Diktatur und Ungerechtigkeit herrschten. Im Gegensatz zu dieser landläufigen Auffassung kam es in der arabischen Welt, die zur umfassenderen turko-arabisch-iranischen Welt gehört, immer wieder zu Aufständen, die von den arabischen Diktatoren dann in Absprache mit und mit Unterstützung von Ländern wie den USA, Vereinigte Königreich und Frankreich niedergeschlagen wurden. Die Einmischung dieser Mächte trat immer als Gegengewicht zur Demokratie auf, und dies wird wohl auch so bleiben.

Analyse nach Inhalt gegliedert:

  1. Teile und herrsche: Wie der erste »arabische Frühling« manipuliert und inszeniert wurde
  2. Der Yinon-Plan: Ordnung aus dem Chaos…
  3. Sicherung des »Reichs«: die arabische Welt auf eine neue Grundlage stellen…
  4. Die Auslöschung der christlichen Gemeinden des Nahen und Mittleren Ostens
  5. Die Neuaufteilung Afrikas: Der Yinon-Plan ist sehr aktuell und wird umgesetzt…
  6. Das geopolitische Schachbrett wird für den »Kampf der Kulturen« vorbereitet
  7. Ethnozentrismus und Ideologie: die heutige Rechtfertigung »gerechter Kriege«

Teile und herrsche: Wie der erste »arabische Frühling« manipuliert und inszeniert wurde

Die ersten Pläne für eine Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens wurden bereits Jahre vor dem Ersten Weltkrieg geschmiedet. Aber während dieses Ersten Weltkriegs zeichneten sich mit der »arabischen Revolte« (1916-1918) die Umrisse dieser von kolonialem Denken geprägten Entwürfe immer deutlicher ab.

Obwohl Briten, Franzosen und Italiener als Kolonialmächte den Arabern jegliche Freiheiten verwehrten, gelang es ihnen, sich in der Außenwahrnehmung als Freunde und Verbündete der »arabischen Befreiung« zu präsentieren.

Im Verlauf der »arabischen Revolte« benutzten Engländer und Franzosen die Araber als Fußsoldaten gegen das Osmanische Reich, um ihre eigenen geopolitischen Ziele durchzusetzen. Das geheime Sykes-Picot-Abkommen (vom 16. Mai 1916, in dem London und Paris den Nahen Osten nach der Zerschlagung des Osmanischen Reiches unter sich aufteilten) ist ein klassisches Beispiel dieser Politik. Frankreich und das Vereinigte Königreich  gelang es, die Araber zu benutzen und zu manipulieren, indem sie ihnen die »Befreiung vom Joch« des Osmanischen Reiches vorgaukelten.

In Wirklichkeit war das Osmanische Reich ein Vielvölkerstaat, der seinen unterschiedlichen Bevölkerungen lokale und kulturelle Autonomie einräumte, aber dann dazu manipuliert wurde, sich in Richtung eines nationalistisch ausgerichteten türkischen Einheitsstaats zu entwickeln. Selbst der Völkermord an den Armeniern, der im osmanischen Anatolien [während des Ersten Weltkriegs unter der jungtürkischen Regierung] erfolgte, muss in den gleichen Zusammenhang wie die Verfolgung der Christen im Irak gestellt und analysiert werden, nämlich als Teil einer konfessionellen Hysterie, die von äußeren Mächten geschürt wurde, um Anatolien und die Bevölkerung des Osmanischen Reiches zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen.

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs waren es dann London und Paris, die den Arabern die Freiheit verweigerten und gleichzeitig Zwietracht unter den verschiedenen arabischen Völkern säten. Lokale korrupte arabische Herrscher waren auch an diesen Machenschaften beteiligt, und viele von ihnen schätzten sich glücklich, Vasallen Englands und Frankreichs zu werden. Im gleichen Sinne wird der »arabische Frühling« auch heute manipuliert. Die USA, Vereinigte Königreich, Frankreich und andere sind dabei, mit Hilfe korrupter arabischer Führer und Handlanger die arabische Welt und Afrika neu zu strukturieren.

Inhaltsverzeichniss der Analyse

Der Yinon-Plan: Ordnung aus dem Chaos…

Der Yinon-Plan ist ein israelischer Strategieplan, der die regionale israelische Überlegenheit zementieren soll und insofern eine Fortsetzung der britischen strategischen Zielplanung darstellt. Er drängt darauf, dass Israel seine geopolitische Umgebung über eine Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Staaten in kleinere und schwächer staatliche Gebilde umgestalten müsse.

Israelische Strategieexperten sahen den Irak als die größte strategische Herausforderung seitens der arabischen Staaten an. Aus diesem Grunde stand der Irak im Zentrum der Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Welt. Auf der Grundlage der Konzepte des Yinon-Plans haben israelische Strategen die Aufteilung des Irak in einen kurdischen Staat und zwei arabische – einen schiitischen und einen sunnitischen – Staaten gefordert. Den ersten Schritt zur Umsetzung dieser Pläne bildete der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, der schon im  Yinon-Plan [dieses 1982 veröffentlichte Strategiepapier wurde nach seinem Verfasser Oded Yinon, einem hochrangigen Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums, benannt] erörtert worden war.

Die Zeitschrift The Atlantic und das amerikanische Armed Forces Journal veröffentlichten beide 2006 weitverbreitete Karten, die sich an den Vorstellungen des Yinon-Plans orientierten. Neben einem dreigeteilten Irak, den auch der so genannte »Biden-Plan« des heutigen amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden vorsah, setzte sich der Yinon-Plan auch für eine Aufteilung des Libanon, Ägyptens und Syriens ein. Auch die Zersplitterung des Iran, der Türkei, Somalias und Pakistans passt in das Konzept dieser Politik. Darüber hinaus befürwortet der Yinon-Plan eine Auflösung [der existierenden staatlichen Strukturen] Nordafrikas, die, so prognostiziert er, von Ägypten ausgehen und dann auf den Sudan, Libyen und den Rest der Region übergreifen werde.

The-Project-for-the-New-Middle-East 
Die Karte des «neuer Naher Osten» wurde von Oberstleutnant Ralph Peters angefertigt.
Sie wurde im Juni 2006 im Armed Forces Journal veröffentlicht. Peters ist pensionierter Offizier der US National War Academy.

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Sicherung des »Reichs«: die arabische Welt auf eine neue Grundlage stellen…
 
Obwohl der Yinon-Plan verschiedentlich angepasst und überarbeitet wurde, wurde er im Zusammenhang mit dem Grundsatzpapier Clean Break (»Sauberer Bruch«) erneut wiederaufgegriffen. Bei Clean Break handelt es sich um ein politisches Strategiepapier, das 1996 von Richard Perle und der Arbeitsgruppe »Eine neue israelische Strategie für das Jahr 2000« für den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geschrieben wurde. ein vollständiger Titel lautet: »Ein sauberer Bruch: Eine neue Strategie zur Sicherung des Reichs«. Perle war unter Reagan Staatsekretär im Verteidigungsministerium und hatte später George W. Bush und dem Weißen Haus als Militärberater gedient. Neben Perle gehörten der Arbeitsgruppe unter anderem James Colbert (JINSA – Jewish Institute for National Security Affairs), Charles Fairbanks (Johns-Hopkins-Universität), Douglas Feith (Feith and Zell Associates), Robert Loewenberg (Institute for Advanced Strategic and Political Studies), Jonathan Torop (The Washington Institute for Near East Policy) sowie David Wurmser (Institute for Advanced Strategic and Political Studies) und Meyrav Wurmser (Johns-Hopkins-Universität) an.

In vieler Hinsicht sind die USA derzeit dabei, die Zielvorgaben umzusetzen, die in dem Strategiepapier von 1996 zur Sicherung des »Reichs« ausgeführt worden waren. Darüber hinaus wirft der Begriff »realm« (»Reich, Herrschaftsgebiet«) im Titel ein bezeichnendes Licht auf den Geisteszustand der Verfasser. »Realm« bezieht sich entweder auf das Territorium, das von einem König beherrscht wird, oder auf die Gebiete, die zwar unter der Herrschaft eines Monarchen stehen, aber nicht von ihm selbst, sondern von Vasallen kontrolliert werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff so benutzt, als wären der Nahe und Mittlere Osten das Herrschaftsgebiet Tel Avivs. ass Perle als jemand, der seine Karriere im Dunstkreis des Pentagon gemacht hat, als Mitverfasser an dem Strategiepapier beteiligt war, wirft die Frage auf, ob es sich beim Souverän dieses Reichs nun um Israel, die USA oder sogar beide handelt?

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Sicherung des »Reichs«: Die israelischen Pläne zur Destabilisierung von Damaskus
 
In dem israelischen Papier aus dem Jahr 1996 wird gefordert, bis zum Jahr 2000 oder später den  Einfluss Syriens zurückzudrängen. Dazu sollen die Syrer aus dem Libanon hinausgedrängt und die Arabische Republik Syrien mit Hilfe Jordaniens und der Türkei destabilisiert werden. Dieser Prozess vollzog sich in den Jahren 2005 beziehungsweise 2010. In dem Papier heißt es: »Israel kann seine strategische Umgebung in Zusammenarbeit mit der Türkei und Jordanien durch Schwächung, Eindämmung und sogar dadurch umgestalten, dass Syrien zurückgedrängt wird. Im Rahmen dieser Bemühungen kann man sich darauf konzentrieren, im Irak Saddam Hussein zu stürzen – ein wichtiges Ziel, auf das Israel eigenständig hinarbeiten sollte –, um so den syrischen Ambitionen in der Region entgegenzutreten.«[1]

Als einen ersten Schritt in Richtung des Aufbaus eines von Israel dominierten »neuen Nahen und Mittleren Ostens« und der Einkreisung Syriens fordert Clean Break den Sturz Saddam Husseins in Bagdad und fasst sogar eine mögliche Balkanisierung des Irak und die Bildung eines strategischen regionalen Bündnisses gegen Damaskus unter Beteiligung eines sunnitischen »Zentraliraks« ins Auge. Die Verfasser schreiben: »Aber Syrien tritt in diesen Konflikt mit einer potenziellen Schwäche ein: Damaskus ist zu sehr mit dem bedrohten neuen regionalen Gleichgewicht beschäftigt, als dass es sich Ablenkungen an der libanesischen Flanke leisten könnte. Und Damaskus befürchtet, dass die ›natürliche Achse‹ mit Israel auf der einen und dem Mittelirak und der Türkei auf der anderen Seite sowie Jordanien im Zentrum Syrien unter Druck setzen und von der saudischen Halbinsel abtrennen könnte. Aus syrischer Sicht könnte dies das Vorspiel zu einer Neugestaltung der Landkarte des Nahen und Mittleren Ostens bilden, die die territoriale Integrität Syriens bedrohen würde.«[2]

Perle und seine Kollegen aus der Arbeitsgruppe »Eine neue israelische Strategie für das Jahr 2000« fordern zudem die Vertreibung der Syrer aus dem Libanon und die Destabilisierung Syriens durch libanesische Oppositionelle. In der Schrift heißt es: »[Israel muss] die syrische Aufmerksamkeit ablenken, indem libanesische Oppositionelle dazu benutzt werden, die syrische Kontrolle des Libanon zu schwächen.«[3] Genau das geschah nach der Ermordung [des früheren libanesischen Ministerpräsidenten] Rafik al-Hariri 2005, die mit zum Ausbruch der »Zedern-Revolution« beitrug und zur Bildung des extrem gegen Syrien eingestellten »Bündnisses vom 14. März « ührte, das vom korrupten Said al-Hariri kontrolliert wird.

In Clean Break wird Tel Aviv auch aufgefordert, die »historische Chance zu ergreifen, der Welt die wahre Natur des syrischen Regimes ins Gedächtnis zu rufen«[4]. Dies fällt in den Bereich der israelischen Strategie der Dämonisierung seiner Gegner durch gezielte Beeinflussung der Öffentlichkeit, eben PR-Kampagnen. 2009 räumten israelische Medien offen ein, dass Tel Aviv über seine Botschaften und diplomatischen Missionen weltweit eine Kampagne gestartet hätte, um die iranischen Präsidentschaftswahlen in Misskredit zu bringen, noch bevor diese überhaupt stattgefunden hatten. Im Zentrum standen dabei Medienkampagnen und organisierte Demonstrationen vor iranischen Botschaften.[5]

In dem Strategiepapier wird auch etwas erwähnt, das an die derzeitigen Ereignisse im Zusammenhang mit Syrien erinnert. Man liest dort: »Umso wichtiger ist, dass Israel verständlicherweise ein Interesse daran hat, ein Vorgehen der Türkei und Jordaniens gegen Syrien diplomatisch, militärisch und operationell zu unterstützen. Dazu zählt etwa, Bündnisse mit arabischen Stämmen einzugehen und aufrechtzuerhalten, deren Gebiet bis nach Syrien hineinreicht und die der herrschenden Elite Syriens feindlich gesonnen sind.«[6] Mit den Unruhen in Syrien in diesem Jahr entwickelten sich die grenzüberschreitenden Bewegungen der Aufständischen und der Waffenschmuggel über die jordanische und türkische Grenze zu einem erheblichen Problem für Damaskus.

In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass Ariel Scharon und Israel Washington nach der anglo-amerikanischen Invasion des Irak dazu rieten, auch gegen Syrien, Libyen und den Iran vorzugehen.[7] Und schließlich sollte man auch wissen, dass das israelische Strategiepapier auch präemptive Kriege zur Umgestaltung der geostrategischen Umgebung Israels und zur Gestaltung eines »neuen Nahen und Mittleren Ostens« befürwortet.[8] Diese [1996 formulierte] Politik wurde von der amerikanischen Politik 2001 übernommen.

Inhaltsverzeichniss der Analyse

Die Auslöschung der christlichen Gemeinden des Nahen und Mittleren Ostens

Es ist keineswegs ein Zufall, dass die ägyptischen koptischen Christen vor den Unruhen in Libyen und gleichzeitig mit dem Referendum im Sudan und vor der Krise in Libyen Ziel von Angriffen wurden. nd ebenso wenig ist es Zufall, dass die irakischen Christen, die zu den ältesten Gemeinden der Welt gehören, ins Exil gezwungen wurden und ihre angestammte Heimat im Irak verlassen mussten. Zeitgleich zum Exodus der irakischen Christen, der sich unter den wachsamen Augen der amerikanischen und britischen Soldaten vollzog, wurden diese Viertel in Bagdad streng nach konfessionellen Kriterien von Muslimen übernommen, wobei man die schiitischen und sunnitischen Gruppen mit Gewalt und unter Einsatz von Todeskommandos zwang, sich nicht zu mischen, sondern jeweils nach Zugehörigkeit getrennte Enklaven zu bilden. Auch diese Vorgehensweise steht mit dem Yinon-Plan und der Umgestaltung der Region als Teil einer umfassenden Strategie im Zusammenhang.

Im Iran versuchten die Israelis vergeblich, die iranische jüdische Gemeinschaft zum Verlassen des Landes zu bewegen. Die jüdische Bevölkerung des Iran ist die zweitgrößte im Mittleren Osten und ist wohl die älteste jüdische Gemeinschaft der Welt mit ungebrochener jüdischer Tradition. ie iranischen Juden sehen sich wie ihre muslimischen und christlichen Mitbürger als Iraner mit einer engen Bindung an ihre Heimat. Die Vorstellung, sie müssten jetzt nach Israel umsiedeln, nur weil sie Juden sind, erscheint ihnen absurd.

Im Libanon versuchte Israel, konfessionelle Spannungen zwischen den verschiedenen christlichen und muslimischen Gruppen sowie den Drusen zu schüren. Der Libanon ist das Sprungbrett nach Syrien, und seine Aufteilung in verschiedene Staaten wird als Mittel gesehen, auch in Syrien eine Aufsplitterung in kleinere konfessionell organisierte arabische Staaten herbeizuführen. Hinter dem Yinon-Plan steht die Absicht, den Libanon und Syrien entlang religiöser und konfessioneller Identitäten von sunnitischen und schiitischen Muslimen, Christen und Drusen in verschiedene Staaten aufzuteilen. Denkbar ist auch das Ziel, auf einen Auszug der Christen aus Syrien hinzuarbeiten.

Patriarch Béchara Boutros Raï, seit 2011 neues Oberhaupt der maronitisch-syrischen Kirche von Antiochien, der größten autonomen mit Rom verbundenen Kirche des Orients, erklärte vor kurzem, er befürchte Säuberungsaktionen gegen arabische Christen in der Levante und dem Nahen und Mittleren Osten. Der Patriarch und viele andere christliche Führer im Libanon und in Syrien fürchten eine Machtübernahme der Moslembruderschaft in Syrien. Ähnlich wie im Irak kommt es derzeit zu Übergriffen mysteriöser Gruppen auf christliche Gemeinden in Syrien. Die Führer der orthodoxen Kirchen, einschließlich des Patriarchen von Jerusalem, haben ebenfalls öffentlich ihrer tiefen Sorge Ausdruck verliehen. Neben den christlichen Arabern werden diese Befürchtungen auch von assyrischen und armenischen Gemeinden, die in der Mehrzahl christlichen Glaubens sind, geteilt.

Patriarch Raï hielt sich vor kurzem zu einem Besuch in Frankreich auf, wo er auch mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy zusammentraf. Berichten zufolge kam es hinsichtlich Syriens zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Patriarchen und Sarkozy, die Sarkozy zu der Bemerkung veranlassten, das syrische Regime werde zusammenbrechen. Nach Auffassung von Patriarch Raï sollte man sich nicht in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischen, sondern Reformen zulassen. Der maronitische Würdenträger wies Sarkozy zudem darauf hin, dass Israel als Bedrohung angesehen werden müsse, wenn Frankreich zu Recht wolle, dass sich die Hisbollah entwaffnen lasse. [Die Hisbollah hatte sich oft ihrer von der UN geforderten Entwaffnung mit dem Argument widersetzt, dass der Grund für den Aufbau der Hisbollah, nämlich die israelische Besatzung, noch nicht aufgehoben sei.]

Äußerungen in Frankreich brachten Raï den umgehenden Dank führender christlicher und muslimischer Vertreter in der Syrischen Arabischen Republik ein, mit denen er im Libanon zusammentraf. Die Hisbollah und ihre politischen Verbündeten im Libanon, zu denen die meisten christlichen Abgeordneten des libanesischen Parlaments gehören, begrüßten ebenfalls die Äußerungen des Patriarchen, der später zu einer Rundreise durch den südlichen Libanon aufbrach.

Wegen seiner Haltung gegenüber der Hisbollah und seiner Weigerung, sich dem Chor derjenigen anzuschließen, die den Sturz des syrischen Regimes fordern, wurde Patriarch Raï von der Allianz des 14. März, einer Parteienkoalition unter Führung von Saad Hariri, scharf kritisiert. Saad Hariri plant derzeit eine Konferenz christlicher Persönlichkeiten als Gegenpol zu Patriarch Raï und der Haltung der maronitischen Kirche. Nachdem Raï seine Position deutlich gemacht hatte, begann auch die Tahrir-Partei, die sowohl im Libanon als auch in Syrien aktiv ist, ihn zu kritisieren. Berichten zufolge haben hochrangige Vertreter der amerikanischen Regierung als Zeichen ihrer Verstimmung über seine Äußerungen zur Hisbollah und zu Syrien ihr geplantes Treffen mit dem maronitischen Patriarchen abgesagt.

Die von Hariri geführte Allianz des 14. März, die eigentlich eine populäre Minderheit darstellt (auch wenn sie die größte Fraktion im Parlament stellt), arbeitet mit den USA, Israel, Saudi-Arabien, Jordanien und den Gruppen in Syrien, die dort Gewalt und Terror einsetzen, eng zusammen. Die Moslembruderschaft und andere so genannte salafistische Gruppen aus Syrien haben Geheimgespräche mit Hariri und den christlichen politischen Parteien in der Allianz des 14. März geführt. Und hier ist auch der Grund für die Angriffe Hariris und seiner Allianz auf Patriarch Raï zu suchen. Es waren auch Hariri und seine Allianz, die die terroristische Untergrundorganisation Fatah al-Islam in den Libanon brachten und nun einigen ihrer inhaftierten Mitglieder dabei halfen, zu entkommen und als Kämpfer nach Syrien zu ziehen.

Es existieren unbekannte Scharfschützen, die syrische Zivilisten und die syrische Armee angreifen, um Chaos und innere Auseinandersetzungen zu schüren. Die christlichen Gemeinden in Syrien werden ebenfalls von unbekannten Gruppen angegriffen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich bei den Angreifern um eine Koalition amerikanischer, französischer, jordanischer, israelischer, türkischer, saudischer und anderer arabischer Kräfte aus der Golfregion handelt, die mit einigen Syrern insgeheim zusammenarbeiten.

Washington, Tel Aviv und Brüssel wollen einen Exodus der Christen aus dem Nahen und Mittleren Osten erreichen. Berichten zufolge soll Sarkozy Patriarch Raï in Paris erklärt haben, die christlichen Gemeinden der Levante und des Nahen und Mittleren Ostens könnten sich in der Europäischen Union ansiedeln. Das ist alles andere als ein großherziger Vorschlag. Es ist geradezu eine Ohrfeige der gleichen Mächte, die bewusst die Rahmenbedingungen geschaffen haben, die nun zu einer Auslöschung oder der Vertreibung der seit der Antike im Nahen und Mittleren Osten lebenden christlichen Gemeinden führen könnten. Dahinter scheint das Ziel zu stehen, die christlichen Gemeinden entweder außerhalb der Region umzusiedeln oder sie in Enklaven zusammenzupferchen. Beides sind denkbare Ziele.

Dieses Vorhaben zielt darauf ab, die arabischen Nationen mittelfristig zu ausschließlich muslimischen Nationen zu machen. Dies steht im Einklang mit dem Yinon-Plan und den geopolitischen Zielen der USA zur Kontrolle Eurasiens.  Am Ende dieser Entwicklung könnte ein größerer Krieg stehen. Die arabischen Christen haben viel mit den schwarzhäutigen Arabern gemeinsam.

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Die Neuaufteilung Afrikas: Der Yinon-Plan ist sehr aktuell und wird umgesetzt…
 
Tel Aviv will sich Afrika als Teil seiner umfassenderen Einfluss-Sphäre sichern. Dieses umfassendere oder so genannte »neue Umfeld« bildete nach 1979 die Grundlage geostrategischer Überlegungen für Israel, nachdem das »alte Umfeld« [sozusagen das Bollwerk] gegen die Araber, zu denen damals auch der Iran gehörte, der unter den Pahlavis zu Israels engsten Verbündeten zählte, instabiler wurde und schließlich mit der iranischen Revolution 1979 ganz zusammenbrach. In diesem Zusammenhang wurde das Konzept eines »neuen Umfelds« entwickelt, in das auch Länder wie Äthiopien, Uganda und Kenia [als Bollwerk] gegen die arabischen Staaten und die Islamische Republik Iran eingeschlossen wurden. Aus diesem Grund beteiligte sich Israel auch so weitgehend an der Balkanisierung des Sudan.

Im gleichen Zusammenhang wie die konfessionelle Aufteilung des Nahen und Mittleren Ostens haben die Israelis auch Pläne zur Neugestaltung entwickelt. Der Yinon-Plan geht dabei von drei Faktoren als Grundlage der Neuaufteilung aus: 1. ethno-linguistische Kriterien, 2. Hautfarbe und 3. Religion. Um sein »Reich« zu sichern, war es möglich, dass sich das Institut für fortgeschrittene strategische und politische Studien (IASPA), die israelische Denkfabrik, in der auch Perle mitarbeitete, für den Aufbau des amerikanischen militärischen Regionalkommandos für Afrika durch das US-Verteidigungsministerium (AFRICOM) einsetzte.

Es geht hier um den bereits laufenden Versuch, die Entstehung einer gemeinsamen arabisch-afrikanischen Identität zu verhindern. Dazu will man in Afrika klare Trennungslinien zwischen einem so genannten »Schwarzafrika« [im Süden des Kontinents] und einem »nichtschwarzen Nordafrika«  zu ziehen. Dies gehört zu den Plänen, eine Spaltung in Afrika zwischen vermeintlichen »Arabern« und den so genannten »Schwarzen« herbeizuführen.

Dieses Fernziel steht auch hinter dem absurden Identitätskonflikt eines »afrikanischen« Südsudan und eines »arabischen« nördlichen Sudan, der immer wieder beschworen und geschürt wird. Aus diesem Grunde wurden auch schwarze Libyer zum Ziel einer »farbigen Säuberung«. Die arabische Identität in Nordafrika wird von ihrer afrikanischen Identität abgeschnitten. Gleichzeitig versucht man die zahlenmäßig umfangreiche Gruppe »schwarzer Araber« auszurotten, so dass man eine klare Trennungslinie zwischen »Schwarzafrika« und einem neuen »Nichtschwarzafrika« im Norden ziehen kann, das dann aber Schauplatz von Kämpfen zwischen den verbleibenden »nichtschwarzen« Berbern und den Arabern würde.

Im gleichen Zusammenhang werden Spannungen zwischen Muslimen und Christen in Afrika, etwa im Sudan und in Nigeria, geschürt, um weitere Risse und Spannungen (und somit weitere »Sollbruchstellen« für Konflikte) zu erzeugen. Indem man diese Spannungen und das Trennende auf der Grundlage von Hautfarbe, Religion, ethnischer Zugehörigkeit und Sprache fördert und schürt, sollen Zwietracht und Uneinigkeit in Afrika als Teil einer umfassenden Strategie gesät werden, mit der man Nordafrika vom Rest des Kontinents abspalten will.

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Das geopolitische Schachbrett wird für den »Kampf der Kulturen« vorbereitet

Alle Einzelteile müssen jetzt noch zusammengefügt und die Zusammenhänge hergestellt werden.

Das geopolitische Schachbrett wird für einen »Kampf der Kulturen« vorbereitet, und alle Figuren werden auf dem Schachbrett in Stellung gebracht. Die arabische Welt befindet sich im Prozess der Absperrung, und es werden klar umrissene Abgrenzungslinien geschaffen. Diese Trennungslinien sollen die nahtlosen Übergänge zwischen unterschiedlichen ethno-linguistischen Gruppen, Hautfarben und religiösen Gruppierungen ersetzen.

Nach diesem Konzept soll es keine gleitenden Übergänge zwischen Gesellschaften und Ländern mehr geben. Aus diesem Grund sind die Christen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika, wie etwa die Kopten, jetzt in die Schusslinie geraten. Und aus dem gleichen Grund sehen sich schwarzhäutige Araber und schwarzhäutige Berber sowie andere nordafrikanische Bevölkerungsgruppen der Gefahr eines Völkermords in Nordafrika gegenüber.

Nach dem Irak und Ägypten stehen nun die Libysche Arabische Dschamahiriyya und die Syrische Arabische Republik im Mittelpunkt der regionalen Destabilisierungsbemühungen in Nordafrika beziehungsweise Südostasien. Die weitere Entwicklung in Libyen wird sich in einer Art Dominoeffekt auf Südostasien und darüber hinaus auswirken. Sowohl der Irak als auch Ägypten dienten beide im Sinne des Yinon-Plans als Zünder für die Destabilisierungen Libyens und Syriens.

Dahinter steht das Ziel, einen ausschließlich »muslimischen Nahen und Mittleren Osten« (mit Ausnahme Israels) zu errichten, der in innere Streitigkeiten zwischen Schiiten und Sunniten verstrickt ist. Ein ähnliches Szenario ist für die Region eines »nichtschwarzen Nordafrikas« vorgesehen, die von Streitigkeiten zwischen Arabern und Berbern gekennzeichnet wäre. Parallel dazu sollen der Nahe und Mittlere Osten sowie Nordafrika nach dem Muster des »Kampfes der Kulturen« gleichzeitig in einem Zustand konfliktträchtiger Spannung mit dem so genannten »Westen« und »Schwarzafrika« gehalten werden.

Deshalb erklärten Nicolas Sarkozy in Frankreich und der Premierminister David Cameron in England in der Anfangsphase des Konflikts in Libyen unmittelbar nacheinander, die Zeit des Multikulturalismus in ihren jeweiligen westeuropäischen Gesellschaften gehe zu Ende.[9] Wirklicher Multikulturalismus stellt die Legitimität der Kriegsagenda der NATO infrage und behindert die Umsetzung des Konzepts des »Kampfes der Kulturen«, das den Eckpfeiler amerikanischer Außenpolitik bildet.

Der frühere amerikanische nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski erläutert, warum Multikulturalismus bei Washington und seinen Verbündeten als Bedrohung gesehen wird: »In dem Maße, in dem Amerika zunehmend multikultureller wurde, wuchsen die Schwierigkeiten, in politischen Fragen einen Konsens zu finden [zum Beispiel Krieg mit der arabischen Welt, China, dem Iran, oder Russland und der früheren Sowjetunion]; eine Ausnahme bildete nur eine wirklich massive und allgemein anerkannte direkte Bedrohung von außen. Ein solcher Konsens existierte im Zweiten Weltkrieg und selbst während des Kalten Krieges [und existiert heute aufgrund des »weltweiten Krieges gegen den Terror«].«[10] Brzezinskis nächster Satz betrifft das Kriterium, aufgrund dessen Bevölkerungen Kriege unterstützen oder sich ihnen widersetzen würden: »[Der Konsens] gründete aber nicht nur darin, dass man tiefempfundene gemeinsame Werte teilte, die nach Ansicht der Öffentlichkeit bedroht seien, sondern auch in einer kulturellen und ethnischen Wesensverwandtschaft mit den vorwiegend europäischen Opfern eines feindlichen Totalitarismus.«[11]

Auch wenn es vielleicht den Eindruck einer Litanei erweckt, sollte noch einmal darauf hingewiesen werden, dass dies genau der Absicht entspricht, die kulturellen Affinitäten zwischen der Region des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas (MENA) und der sogenannten »westlichen Welt« und dem Afrika südlich der Sahara aufzubrechen, und der Grund dafür ist, dass gegen Christen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe vorgegangen wird.

Inhaltsverzeichniss der Analyse

Ethnozentrismus und Ideologie: die heutige Rechtfertigung »gerechter Kriege«

In der Vergangenheit haben die westeuropäischen Kolonialmächte ihre Völker indoktriniert, um auf diese Weise die Unterstützung der Öffentlichkeit für ihre kolonialen Eroberungen zu gewinnen. Dazu verbreitete man den christlichen Glauben und förderte christliche Werte mit Unterstützung bewaffneter Händler und von Kolonialarmeen.

Die Menschen, deren Land man kolonialisierte, wurden als »Untermenschen«, als »unterlegen« oder »seelenlos« bezeichnet. Schließlich wurde sogar das Bild bemüht, der »weiße Mann« müsse »die Bürde schultern« [ein Anspielung auf das Gedicht »The White Man's Burden« von Rudyard Kipling] und die Aufgabe übernehmen, die sogenannten »unzivilisierten Völker der Welt« zu zivilisieren. Dieser geschlossene ideologische Rahmen stellte »Kolonialismus« als eine »gerechte Sache« dar. Und letzteres wurde dann im Gegenzug als Rechtfertigung herangezogen, »gerechte Kriege« als Mittel zur Eroberung und »Zivilisierung« fremden Bodens zu führen.

Die heutigen imperialistischen Vorstellungen der USA, Englands, Frankreichs und Deutschlands haben sich demgegenüber kaum verändert. Lediglich die Vorwände und Rechtfertigungen der neokolonialen Kriege sind andere geworden. In der Kolonialzeit wurden die Darstellungen und Rechtfertigungen der Kriege von der öffentlichen Meinung in den Kolonialmächten wie England und Frankreich geteilt. Die heutigen »gerechten Kriege« und »gerechten Anliegen« werden unter dem Banner von Frauenrechten, Menschenrechten, humanitären Grundsätzen und Demokratie geführt.
 

Inhaltsverzeichniss der Analyse

Mahdi Darius Nazemroaya ist ein Soziologe und Schriftsteller aus Ottawa (Kanada), der sich auf den Nahen Osten und Zentralasien spezialisiert hat. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization (CRG).

Dieser Artikel erschien unter dem Titel: Preparring the Chessboard for the “Clash of Civilizations: – Divide, Conquer, and Rule the “New Middle East”
Quelle: Global Research, Centre for Research on Globalization (CRG) vom 11.26.2011

Anmerkungen

[1] Richard Perle et al., A Clean Break: A New Strategy for Securing the Realm, Washington/Tel Aviv, Institute for Advanced Strategic and Political Studies (IASPS), 1996.
[2] Ebenda.
[3] Ebenda.
[4] Ebenda.
[5] Barak Ravid, »Israeli diplomats told to take offensive in PR war against Iran«, in: Haaretz, 1. Juni 2009.
[6] Perle et al., Clean Break, op. cit .
[7] Aluf Benn, »Sharon says US should also disarm Iran, Libya and Syria«, in: Haaretz, 30. September 2009.
[8] Richard Perle et al., Clean Break, op. cit.
[9] Robert Marquand, »Why Europe is turning away from multiculturalism«, In: Christian Science Monitor, 4. März 2011.
[10] Zbigniew Brzezinski, The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives, New York, 1997, S. 211 (in deutscher Sprache 1997 unter dem Titel Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft erschienen).
[11] Ebenda.

Nachdem ich dieses Artikel bei globalresearch gelesen habe und ich diesen für ziemlich nahe an der realität halte, habe ich mich entschlossen diesen auch hier auf meiner Homepage zu plazieren. Ich hoffe globalresearch trägt mir dies nicht nach.

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weitere Texte die sich mit der aktuellen geopolitischen Realitäten befassen:

Staaten zertrümmern
Hintergrund. Libanon, Irak, Libyen, Syrien und anderswo: Der Westen arbeitet mit Hochdruck an einer Balkanisierung des »Greater Middle East« Von Knut Mellenthin

Den Krieg in Libyen verstehen

  1. Was sind die wahren Ziele der USA?
  2. Die Ziele der USA gehen über das Öl weit hinaus
  3. Was sind die nächsten Ziele in Afrika?
von Michel Collon --- 3 teiliger Post aus seiner Webseite "Investig`Action"

Das Projekt der neuen Weltordnung stolpert über geopolitische Realitäten
von Imad Fawzi Shueibi - voltairenet.org

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Nachrichten aus Absurdistan

Drachenwut's Politikblog

Dem Projekt eines "Neuen Nahen Ostens": Kreative Zerstörung als revolutionäre Kraft

Ursprünglich im 18. November 2006 veröffentlicht.

Der Begriff «neuer Naher Osten» wurde der Welt im Juni 2006 in Tel Aviv von US-Aussenministerin Condoleezza Rice vorgestellt (in den westlichen Medien hiess es, sie hätte den Begriff geprägt), als Ersatz für den älteren und imponierenderen Begriff «umfassender naher Osten» (Greater Middle East).

Diese Verschiebung in der politischen Phraseologie fiel mit der Eröffnung des Baku-Tiflis-Ceyhan (BTC-)Ölterminals im östlichen Mittelmeer zusammen. Der Begriff und die Konzeptbildung eines «neuen Nahen Ostens» wurden in der Folge von der US-Aussenministerin und dem israelischen Premierminister auf dem Höhepunkt der anglo-amerikanisch gesponserten Belagerung Libanons lanciert. Premierminister Olmert und Aussenministerin Rice hatten die internationalen Medien informiert, dass ein Projekt für einen «neuen Nahen Osten» von Libanon aus gestartet würde.

Diese Ankündigung war eine Bestätigung einer anglo-amerikanisch-israelischen «militärischen Road map» im Nahen Osten. Dieses Projekt, das sich schon seit mehreren Jahren in der Planung befand, betrifft die Herstellung eines Bogens der Instabilität, des Chaos und der Gewalt, der sich von Libanon, Palästina und Syrien über den Irak, den Persischen Golf und den Iran bis an die Grenzen des von der Nato besetzten Afghanistan erstreckt.

Washington und Tel Aviv haben das Projekt «neuer Naher Osten» in der Erwartung öffentlich vorgestellt, dass Libanon der Ansatzpunkt für eine Neuausrichtung des gesamten Nahen Ostens wäre und damit für eine Freisetzung der Kräfte des «konstruktiven Chaos». Dieses «konstruktive Chaos» — das in der ganzen Region Gewalt und Krieg erzeugt — würde dann so genutzt, dass die Vereinigten Staaten, Grossbritannien und ­Israel die Karte des Nahen Ostens in Übereinstimmung mit ihren geostrategischen Bedürfnissen und Zielen neu zeichnen können.

Der Libanon-Krieg ? die «Geburts­wehen» des «neuen Nahen Ostens»

Aussenministerin Condoleezza Rice sagte während einer Pressekonferenz, «was wir hier sehen [die Zerstörung Libanons und die israelischen Angriffe auf Libanon], ist in gewisser Weise das Entstehen die Geburtswehen eines neuen Nahen Ostens, und was immer wir [die USA] tun, wir müssen sicher sein, dass wir auf einen neuen Nahen Osten hinarbeiten und nicht zum alten zurückkehren». [1] Aussenministerin Rice wurde sowohl in Libanon als auch international sofort für ihre Stellungnahmen kritisiert, die ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Leiden einer ganzen Nation dokumentieren, die von der israelischen Luftwaffe wahllos bombardiert wurde.

Rice-and-Olmert Rice-Announced-new-Middle-EastRice-and-Siniora

Die anglo-amerikanische militärische «Road map» im Nahen Osten und in Zentralasien

Die Rede von US-Aussenministerin Condoleezza Rice über den «neuen Nahen Osten» hatte den Boden bereitet. Die israelischen Angriffe auf Libanon — die von Washington und London gutgeheissen worden waren — haben die Existenz der geostrategischen Ziele weiter offengelegt und bestätigt. Laut Prof. Mark Levine würden «die neoliberalen Globalisierer, die Neokonservativen und letztlich die Bush-Administration sich an den Begriff der kreativen Zerstörung klammern, weil er am besten den Prozess beschreibt, mit dem sie ihre neue Weltordnung herzustellen hoffen». Levine zitiert auch den neokonservativen Philosophen und Bush-Berater Michael Ledeen mit den Worten: «Für die Anhänger der kreativen Zerstörung sind die USA ?eine grossartige revolutionäre Kraft?, deren Wesen die kreative Zerstörung ist.» [2]

Der anglo-amerikanisch besetzte Irak, besonders das irakische Kurdistan, scheint das Versuchsfeld für die Balkanisierung (Teilung) und Finnlandisierung (Befriedung) des Nahen Ostens zu sein. Der gesetzgeberische Rahmen für eine Teilung des Irak in drei Teile wird schon durch das irakische Parlament unter dem Deckmantel der Föderalisierung des Irak ausgearbeitet.

Darüber hinaus scheint die anglo-amerikanische «Road map» den Zugang zu Zentralasien über den Nahen Osten zu suchen. Der Nahe Osten, Afghanistan und Pakistan sind Zwischenschritte für eine Ausdehnung des US-Einflusses in die ehemalige Sowjetunion und die ehemaligen zentralasiatischen Republiken hinein. In gewisser Weise ist der Nahe Osten der südliche Gürtel Zentralasiens. Zentral­asien wiederum wird auch als «Russlands südlicher Gürtel» oder als das «nahe Ausland» Russlands bezeichnet.

Viele russische und zentralasiatische Wissenschafter, Militärplaner, Strategen, Sicherheitsberater, Ökonomen und Politiker betrachten Zentralasien («Russlands südlichen Gürtel») als verletzlich und als verwundbare Stelle der russischen Föderation. [3]

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Zbigniew Brzezinski, ein früherer Sicherheitsberater, in seinem Buch The Grand Chessboard: American Primary and Its Geostrategic Imperatives [deutsch erschienen unter: «Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft»], den modernen Nahen Osten als den Schalthebel für eine Region bezeichnet, die er, Brzezinski, als eurasischen Balkan bezeichnet. Der eurasische Balkan besteht aus dem Kaukasus (Georgien, der Republik Aserbeidschan und Armenien) und Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan, Afghanistan und Tadschikistan) und in gewisser Weise auch aus dem Iran und der Türkei. Der Iran und die Türkei bilden zusammen den nördlichsten Gürtel des Nahen Ostens (ausgenommen den Kaukasus), der nach Europa und in die ehemalige Sowjetunion ausstrahlt. [4]

Die Karte des «neuen Nahen Ostens»

Eine relativ unbekannte Karte des Nahen Ostens, des Nato-besetzten Afghanistans und Pakistans zirkuliert seit Mitte 2006 in Strategie-, Regierungs-, Nato- und Militärkreisen. Ein paarmal wurde es ihr gestattet, in der Öffentlichkeit zu erscheinen, vielleicht in einem Versuch, einen Konsens zu erzeugen und die Öffentlichkeit langsam auf mögliche, vielleicht sogar umwälzende Veränderungen im Nahen Osten vorzubereiten. Es handelt sich um eine Karte eines neugezeichneten und umstrukturierten Nahen Ostens, der als «neuer Naher Osten» bezeichnet wird.

The-Project-for-the-New-Middle-East 
Die Karte des «neuer Naher Osten» wurde von Oberstleutnant Ralph Peters angefertigt.
Sie wurde im Juni 2006 im Armed Forces Journal veröffentlicht. Peters ist pensionierter Offizier der US National War Academy.

Obwohl die Karte nicht offiziell die Doktrin des Pentagon wiedergibt, wurde sie in einem Trainingsprogramm im Defense College der Nato für ranghohe Offiziere verwendet. Diese Karte, wie auch andere ähnliche Karten, ist höchstwahrscheinlich an der National War Academy und in anderen militärischen Planungszirkeln benutzt worden.

Diese Karte eines «neuen Nahen Ostens» scheint von mehreren anderen Karten abgeleitet zu sein, darunter älteren Karten von möglichen Grenzen im Nahen Osten, die bis auf die Ära von US-Präsident Woodrow Wilson und den Ersten Weltkrieg zurückgehen. Diese Karte wird als Idee des pensionierten Oberstleutnants der US-Armee Ralph Peters präsentiert, der glaubt, dass die neuentworfenen Grenzen die Probleme des gegenwärtigen Nahen Ostens fundamental lösen werden.

Die Karte eines «neuen Nahen Ostens» war ein Schlüsselelement in Peters Buch Never Quit the Fight (Gib den Kampf nie auf), das am 10. Juli 2006 veröffentlicht wurde. Die Karte des neugezeichneten Nahen Ostens wurde auch unter dem Titel «Blutgrenzen: wie ein besserer Naher Osten aussähe» im Armed Forces Journal mit einem Kommentar von Ralph Peters veröffentlicht. [5]

Man muss beachten, dass Oberstleutnant Ralph Peters zuletzt den Posten eines stellvertretenden Stabschefs für Geheimdienstfragen im US-Verteidigungsministerium innehatte, einer der führenden Autoren des Pentagon war und für Militärzeitschriften zahllose Aufsätze über Strategie und US-Aussenpolitik geschrieben hat.

Man konnte lesen, dass Ralph Peters «vier frühere Bücher über Strategie in Regierungs- und Militärkreisen grossen Einfluss ausgeübt haben», aber man könnte auch versucht sein zu fragen, ob nicht eigentlich genau das Umgekehrte stattgefunden hat. Könnte es nicht sein, dass Oberstleutnant Peters nur enthüllt und öffentlich macht, was Washington und seine strategischen Planer für den Nahen Osten geplant haben?

Das Konzept eines neugezeichneten Nahen Ostens ist als ein «humanitäres» und «gerechtes» Arrangement präsentiert worden, das den Menschen und Völkern des Nahen Ostens und der umliegenden Regionen zugute käme. Ralph Peters schreibt:

Internationale Grenzen sind niemals völlig gerecht. Aber der Grad an Ungerechtigkeit, die sie denen zufügen, die durch Grenzen getrennt oder zum Zusammenleben gezwungen sind, ist ein grosser Unterschied ? zwischen Freiheit und Unterdrückung, Toleranz und Greuel, dem Gesetz und dem Terrorismus oder gar zwischen Frieden und Krieg.

Die willkürlichsten und verzerrtesten Grenzen auf der Welt gibt es in Afrika und im Nahen Osten. Gezogen von Euro­päern im eigenen Interesse (die genügend Probleme hatten, ihre eigenen Grenzen festzulegen), führen die Grenzen Afrikas weiterhin zum Tod von Millionen von lokalen Einwohnern. Aber die ungerechten Grenzen im Nahen Osten — in Anlehnung an Churchill — produzieren mehr Probleme, als die Region selbst verkraften kann.

Obwohl der Nahe Osten viel mehr Probleme als nur nicht funktionierende Grenzen hat — von kultureller Stagnation über skandalöse Ungleichheit bis hin zu tödlichem religiösem Extremismus — ist das grösste Tabu bei allen Versuchen, das umfassende Versagen der Region zu verstehen, nicht der Islam, sondern die schrecklichen, aber unantastbaren internationalen Grenzen, denen von unseren eigenen Diplomaten gehuldigt wird.

Natürlich könnte keine Anpassung der Grenzen, wie drakonisch auch immer, jede Minderheit im Nahen Osten glücklich machen. In einigen Fällen leben ethnische und religiöse Gruppen vermischt, und Mischehen werden geschlossen. In anderen Fällen werden Wiedervereinigungen auf der Basis von Blut oder Glaube nicht so freudig vonstatten gehen, wie ihre gegenwärtigen Befürworter glauben. Die Grenzen, wie sie in den Karten zu diesem Artikel projektiert werden, entschädigen für die Leiden, die den wichtigsten «betrogenen» Bevölkerungsgruppen zugefügt wurden, nämlich den Kurden, den Belutschen [Sunniten im Südosten Irans und im Südwesten Pakistans, d. Ü.] und den arabischen Schiiten, aber es gelingt ihnen nicht, den nahöstlichen Christen, den Baha’i, den Ismailiten, den Naqschbandi und vielen anderen zahlenmässig kleinen Minderheiten gerecht zu werden. Und ausserdem kann ein unvergessenes Unrecht niemals durch ein Zugeständnis an Territorium entschädigt werden: der Genozid an den Armeniern durch das sterbende Ottomanische Reich.

Dennoch, trotz all der Ungerechtigkeiten, die die hier imaginierten Grenzen unberücksichtigt lassen: Ohne solche grösseren Grenzrevisionen werden wir nie einen friedlicheren Nahen Osten erleben.

Selbst die, denen das Ansinnen, Grenzen zu verändern, fremd ist, wären gut beraten, an einer Übung teilzunehmen, die eine fairere, wenn auch nicht perfekte, neue Grenzziehung zwischen dem Bosporus und dem Indus in Angriff nimmt. Auch wenn man akzeptiert, dass die internationale Staatskunst niemals effektive Werkzeuge — ausser dem Krieg — entwickelt hat, fehlerhafte Grenzen zu justieren, wird uns die geistige Übung, die ?organischen? Grenzen des Nahen Ostens zu erfassen, trotzdem helfen, das Ausmass der Schwierigkeiten, denen wir jetzt und in Zukunft gegenüberstehen, zu verstehen. Wir haben mit kolossalen, von Menschen gemachten Deformierungen zu tun, die solange nicht aufhören werden, Hass und Gewalt zu erzeugen, bis sie korrigiert werden.» [6] 

[Hervorhebungen im Zitat von Peters durch Mahdi Darius Nazemroaya]

«Notwendige Schmerzen»: falsch, irreführend und fiktiv

Abgesehen von seinem Glauben an eine «kulturelle Stagnation» im Nahen Osten muss man darauf hinweisen, dass Ralph Peters zugibt, dass seine Vorschläge von «drakonischer» Natur sind. Trotzdem besteht er darauf, dass es für die Menschen im Nahen Osten notwendige Schmerzen seien. Diese Betrachtungsweise von notwendigen Schmerzen und Leiden stellt eine verblüffende Parallele dar zum Glauben der US-Aussenministerin Condoleezza Rice, dass die Verwüstung Libanons durch das israelische Militär einen notwendigen Schmerz oder die «Geburtswehen» darstelle, die den «neuen Nahen Osten» erzeuge, den sich Washington, London und Tel Aviv vorstellen.

Darüber hinaus ist es bedeutsam festzuhalten, dass das Thema des armenischen Genozids in Europa politisiert und angeheizt wird, um die Türkei zu verletzen. [7]

Diese Generalüberholung, Demontage und Neuzusammensetzung der Nationalstaaten im Nahen Osten wird als eine Lösung für die Feindseligkeiten im Nahen Osten verkauft, aber das ist kategorisch irreführend, falsch und fiktiv. Die Befürworter eines «neuen Nahen Ostens» und neugezeichneter Grenzen in der Region vermeiden es und scheitern daran, die Wurzeln der Probleme und Konflikte im gegenwärtigen Nahen Osten offen darzustellen. Was die Medien nicht zur Kenntnis nehmen, ist die Tatsache, dass fast alle grösseren Konflikte, die den Nahen Osten plagen, eine Folge der sich überlappenden anglo-amerikanisch-israelischen Agenden sind.

Viele der Probleme, die den gegenwärtigen Nahen Osten betreffen, sind das Ergebnis der gezielten Verschärfung von existierenden regionalen Spannungen. Religiöse Spaltungen, ethnische Spannungen und interne Gewalt sind traditionell von den USA und Grossbritannien in vielen Teilen der Welt, etwa in Afrika, Lateinamerika, dem Balkan und dem Nahen Osten, ausgenutzt worden. Der Irak ist nur eines von vielen Beispielen für die anglo-amerikanische Strategie des «Teile und herrsche!». Andere Beispiele sind Ruanda, Jugoslawien, der Kaukasus und Afghanistan.

Eines der Probleme im gegenwärtigen Nahen Osten ist ein Mangel an echter Demokratie, die tatsächlich von der Aussen­politik der USA und Grossbritanniens absichtlich hintertrieben wurde. «Demokratie» im westlichen Stil wurde immer nur von jenen nahöstlichen Staaten gefordert, die sich Wa­shingtons politischen Forderungen nicht fügten. Immer war die Forderung nach Demokratie nur ein Vorwand für Konfrontation. Saudiarabien, Ägypten und Jordanien sind Beispiele für nicht demokratische Staaten, mit denen die USA gut zurechtkommen, weil sie fest in die anglo-amerikanische Einflussspähre eingebunden sind.

Zusätzlich haben die USA echte demokratische Bewegungen im Nahen Osten absichtlich blockiert oder verdrängt. Von Iran 1953 (wo ein von den USA und Grossbritannien unterstützter Coup gegen die demokratische Regierung von Premierminister Mossadegh inszeniert wurde) bis zu Saudiarabien, Ägypten, der Türkei, den arabischen Scheichtümern und in Jordanien. In allen diesen Ländern hat die anglo-amerikanische Allianz Militärdiktaturen, absolute Monarchien und Diktatoren auf die eine oder andere Weise unterstützt. Das neueste Beispiel ist Palästina.

Die türkischen Proteste an der Nato-Militärhochschule in Rom

Oberstleutnant Ralph Peters Karte des «neuen Nahen Osten» löste in der Türkei erboste Reaktionen aus. Gemäss türkischen Pressemitteilungen vom 15. September wurde die Karte des «neuen Nahen Ostens» an der Nato-Militärhochschule in Rom gezeigt. Den Berichten zufolge zeigten sich türkische Offiziere sofort empört über die Darstellung einer aufgeteilten und gespaltenen Türkei. [8] Bevor die Karte in Rom vor den Nato-Offizieren enthüllt wurde, wurde sie von der US National War Academy [Nationale Kriegsakademie der USA] in irgendeiner Form genehmigt.

Der türkische Generalstabschef, General Buyukanit, protestierte gegenüber dem Vorsitzenden des Vereinten Generalstabs der USA, General Peter Pace, gegen die Veranstaltung und gegen die Präsentation der neugezeichneten Karte des Nahen Ostens, Afghanistans und Pakistans. [9] Zudem hat das Pentagon keine Mühen gescheut, der Türkei zu versichern, dass die Karte nicht die offizielle amerikanische Politik oder die Zielvorstellungen in der Region widerspiegelt, was aber zu den anglo-amerikanischen Einsätzen im Nahen Osten und im Nato-­besetzten Afghanistan in Widerspruch zu stehen scheint.

Gibt es eine Verbindung zwischen dem «eurasischen Balkan» Brzezinskis und dem Projekt eines «neuen Nahen Ostens»?

Die folgenden Zitate sind wichtige Auszüge aus dem Buch «Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft» des ehemaligen amerikanischen Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski. Brzezinski schreibt, dass die Türkei und der Iran, die beiden mächtigsten Staaten am südlichen Ende des «eurasischen Balkans», «besonders anfällig auf innere ethnische Konflikte (Balkanisierung)» sind und dass «wenn eines oder beide Länder destabilisiert werden sollten, würden die inneren Probleme der Region unbeherrschbar werden». [10]

Es scheint, dass ein geteilter und balkanisierter Irak die beste Methode wäre, um dies zu erreichen. Wenn man das, was aus den Zugeständnissen des Weissen Hauses bekannt ist, glaubt, herrscht dort die Ansicht, dass «kreative Zerstörung und Chaos» im Nahen Osten vorteilhafte Aktivposten seien, um den Nahen Osten umgestalten zu können, um einen «neuen Nahen Osten» zu schaffen und den anglo-amerikanischen Fahrplan für den Nahen Osten und Zentralasien zu fördern:

Das Wort Balkan beschwört in Europa Bilder von ethnischen Konflikten und Stellvertreterkriegen der Grossmächte herauf. Auch Eurasien hat seinen Balkan, aber der ist viel grösser, dichter bevölkert und religiös und ethnisch noch heterogener. Der eurasische Balkan liegt innerhalb jenes grossen Rechtcks, das [...] Teile von Südosteuropa, Zentralasien sowie einige Gebiete Südasiens, die Region um den Persischen Golf und den Nahen Osten umfasst.

Der eurasische Balkan bildet den inneren Kern dieses grossen Rechtecks und unterscheidet sich von seinem äusseren Umfeld durch ein besonderes Merkmal: Er ist ein Machtvakuum. Zwar sind auch die meisten Staaten in der Golfregion und im Nahen Osten alles andere als stabil, doch üben im Endeffekt die USA dort eine Schiedsrichterfunktion aus. Die instabile Region steht mithin unter der Hegemonie einer einzigen Macht, die einen mässigenden Einfluss ausübt. Im Gegensatz dazu erinnert der eurasische Balkan wirklich an den uns aus der Geschichte dieses Jahrhunderts vertrauteren Balkan in Südosteuropa: Die dortigen Staaten sind nicht nur hochgradig instabil, ihre Lage und innenpolitische Verfassung fordern die mächtigen Nachbarn zum Eingreifen geradezu heraus, und jeder widersetzt sich mit Entschlossenheit den Bestrebungen der anderen, die Vorherrschaft in der Region zu erlangen. Es ist dieses wohlvertraute Phänomen des Machtvakuums mit der ihm eigenen Sogwirkung, das die Bezeichnung eurasischer Balkan rechtfertigt.
 
Im Kampf um die Vormacht in Europa winkte der traditionelle Balkan als geopolitische Beute. Geopolitisch interessant ist auch der eurasische Balkan, den die künftigen Transportwege, die zwischen den reichsten und produktivsten westlichen und östlichen Randzonen Eurasiens bessere Verbindungen herstellen sollen, durchziehen werden. Ausserdem kommt ihm sicherheitspolitische Bedeutung zu, weil mindestens drei seiner unmittelbaren und mächtigsten Nachbarn von alters her Absichten darauf hegen und auch China ein immer grösseres politisches Interesse an der Region zu erkennen gibt. Viel wichtiger aber ist der eurasische Balkan, weil er sich zu einem ökonomischen Filetstück entwickeln könnte, konzentrieren sich in dieser Region doch ungeheure Erdgas- und Erdölvorkommen, von wichtigen Mineralien, einschliesslich Gold, ganz zu schweigen.
 
Der weltweite Energieverbrauch wird sich in den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten enorm erhöhen. Schätzungen des US-Department of Energy zufolge steigt die globale Nachfrage zwischen 1993 und 2015 um voraussichtlich mehr als 50 Prozent, und dabei dürfte der Ferne Osten die bedeutendste Zunahme verzeichnen. Schon jetzt ruft der wirtschaftliche Aufschwung in Asien einen massiven Ansturm auf die Erforschung und Ausbeutung neuer Energievorkommen hervor, und es ist bekannt, dass die zentralasiatische Region und das Kaspische Becken über Erdgas- und Erdölvorräte verfügen, die jene Kuwaits, des Golfs von Mexiko oder der Nordsee in den Schatten stellen.
 
Zugang zu diesen Ressourcen zu erhalten und an ihrem Reichtum teilzuhaben sind Ziele, die nationale Ambitionen wecken, Gruppeninteressen anregen, historische Ansprüche wieder ins Bewusstsein rücken, imperiale Bestrebungen aufleben lassen und internationale Rivalitäten anfachen. Noch brisanter wird die Situation dadurch, dass die Region nicht nur ein Machtvakuum darstellt, sondern auch intern instabil ist.

[...]

Der eurasische Balkan besteht aus neun Ländern, auf die die obige Beschreibung mehr oder weniger zutrifft, und vielleicht kommen bald zwei weitere Staaten hinzu. Die neun Länder sind Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien und Georgien — alle gehörten einst zur früheren Sowjetunion — sowie Afghanistan.

Die beiden Länder, die man hinzuzählen könnte, nämlich die Türkei und der Iran, sind politisch und wirtschaftlich wesentlich lebensfähiger; beide bemühen sich aktiv um regionalen Einfluss innerhalb des eurasischen Balkans und stellen somit wichtige geostrategische Akteure in der Region dar. Zugleich sind beide für ethnische Konflikte anfällig. Käme es zur Destabilisierung eines dieser Staaten oder auch beider, wären die internen Probleme der Region nicht mehr zu steuern, und selbst eine regionale Vorherrschaft der Russen könnte dann womöglich nicht mehr verhindert werden. [11]

[Hervorhebungen durch Mahdi Darius Nazemroaya]

Eurasian-Balkans
Die Brzezinski Karte des «eurasischen Balkan.»
The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives, 1998.


Der Neuentwurf des Nahen Ostens

Der Nahe Osten hat in gewisser Hinsicht auffallende Parallelen mit dem Balkan und Zentralosteuropa während der Jahre, die zum Ersten Weltkrieg führten. In der Folge des Ersten Weltkrieges wurden die Grenzen im Balkan und Zentralosteuropa neu gezogen. Diese Region machte vor und nach dem Ersten Weltkrieg eine Periode des Umsturzes, der Gewalt und der Konflikte durch, die direktes Ergebnis ausländischer Wirtschaftsinteressen und Einmischung war.
 
Die Hintergründe des Ersten Weltkrieges sind düsterer als die Standarderklärung in den Schulbüchern, die Ermordung des Thronfolgers des Österreich-Ungarischen (Habsburgischen) Reiches, Erzherzogs Franz Ferdinand, in Sarajevo. Wirtschaftliche Faktoren waren die wirklichen Beweggründe für den grossangelegten Krieg von 1914.

Norman Dodd, ein ehemaliger Wallstreet-Bankier und Ermittlungsbeamter des US-Kongresses, der steuerbefreite Stiftungen prüfte, bestätigte in einem Interview aus dem Jahre 1982, dass diejenigen mächtigen Individuen, die aus dem Hintergrund die Finanzen, die Politik und die Regierung der Vereinigten Staaten kontrollierten, in Wirklichkeit auch die Beteiligung der USA an einem Krieg geplant hatten, welcher dazu beitragen würde, ihren Griff nach der Macht zu verankern.

Das folgende Zeugnis stammt aus einer Abschrift von Norman Dodds Interview mit G. Edward Griffin:

Wir sind nun im Jahre 1908, dem Jahr, als die Carnegie-Stiftung die Tätigkeit begann. Und in diesem Jahr warf die Tagung der Treuhänder (trustees meeting) eine bestimmte Frage auf, die sie für den Rest des Jahres in einer sehr fachkundigen Art diskutierten. Und die Frage ist: Gibt es ein bekanntes Mittel, das effektiver ist als Krieg, angenommen, man möchte das Leben eines gesamten Volkes verändern? Und sie kommen zum Schluss, dass die Menschheit für dieses Ziel kein effektiveres Mittel als den Krieg kennt. Und so werfen sie dann, im Jahre 1909, die zweite Frage auf und diskutieren sie: Wie ziehen wir die USA in einen Krieg?

Nun, ich bezweifle, dass es zu jener Zeit irgendein Thema gab, das dem Denken der Menschen dieses Landes (der Vereinigten Staaten) ferner lag, als seine Beteiligung an einem Krieg. Es gab zwischenzeitlich Shows (Kriege) auf dem Balkan, aber ich bezweifle sehr, dass viele Menschen überhaupt wussten, wo der Balkan war. Und schliesslich beantworteten sie die Frage wie folgt: Wir müssen das Aussenministerium unter Kontrolle bringen.

Und dann kommt ganz selbstverständlich die Frage auf, wie wir das tun. Die Antwort ist, indem sie sagen, wir müssen die diplomatische Maschinerie dieses Landes übernehmen und kontrollieren, und schliesslich beschliessen sie, dies als ein Ziel anzustreben. Dann vergeht die Zeit, und wir sind schliesslich in einem Krieg, der der Erste Weltkrieg sein wird. Zu jener Zeit halten sie in ihren Sitzungsprotokollen einen schockierenden Bericht fest, in welchem sie Präsident Wilson ein Telegramm senden und ihn ermahnen, dafür zu sorgen [cautioning him to see], dass der Krieg nicht zu schnell endet. Und schliesslich ist der Krieg natürlich vorbei.

Zu diesem Zeitpunkt verlagern sich ihre Interessen dahingehend, das zu verhindern, was sie eine Rückkehr zu dem Leben in den Vereinigten Staaten, wie es vor 1914 war, als der Erste Weltkrieg ausbrach, nennen.

[Hervorhebungen durch Mahdi Darius Nazemroaya]

Planmässige verdeckte Geheimdienst­agenda
 
Feindseligkeiten zwischen  ethnischen und religiösen Gruppen Der Neuentwurf und die Teilung des Nahen Ostens von den östlichen Mittelmeerküsten Libanons und Syriens bis Anatolien (Klein­asien), Arabien, dem Persischen Golf und dem Iranischen Hochland folgt umfassenden wirtschaftlichen, strategischen und militärischen Zielen, die Teil einer jahrelangen anglo-amerikanischen und israelischen Agenda in der Region sind.
 
Der Nahe Osten wurde durch Kräfte von aussen in ein Pulverfass verwandelt, das jederzeit mit dem richtigen Auslöser explodieren kann, vielleicht durch anglo-amerikanische und/oder israelische Luftangriffe gegen Iran und Syrien. Ein grösserer Krieg im Nahen Osten könnte dazu führen, dass Grenzen neu gezogen werden, die strategisch für die anglo-amerikanischen Interessen und für Israel von Vorteil sind.

Das Nato-besetzte Afghanistan wurde erfolgreich geteilt, ohne dies beim Namen genannt zu haben. Feindseligkeiten wurden in der Levante gesät, wo ein palästinensischer Bürgerkrieg gefördert wird und Spaltungen in Libanon inszeniert werden. Das östliche Mittelmeer wurde erfolgreich durch die Nato militarisiert. Syrien und der Iran werden weiter durch die westlichen Medien dämonisiert, mit der Absicht, eine militärische Agenda zu rechtfertigen. Die westlichen Medien füttern wiederum täglich die nicht richtige und verzerrte Auffassung, dass die Bevölkerungsgruppen im Irak nicht nebeneinander existieren könnten und dass der Konflikt nicht ein Besatzungskrieg, sondern ein «Bürgerkrieg» sei, der durch einen internen Kampf zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden charakterisiert sei.

Versuche, absichtlich Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen ethnokulturellen und religiösen Gruppen des Nahen Ostens zu schaffen, waren systematisch. Tatsächlich sind sie Teil einer sorgfältig geplanten, verdeckten Geheimdienstagenda.
 
Noch bedenklicher ist, dass viele Regierungen des Nahen Ostens, wie diejenige Saudiarabiens, Washington darin unterstützen, Spaltungen zwischen den Bevölkerungsgruppen des Nahen Ostens anzufachen. Das Endziel ist es, die Widerstandsbewegung gegen die ausländische Besatzung durch eine «Strategie des Teilen und Herrschens» zu schwächen, was anglo-amerikanischen und israelischen Interessen in der weiteren Region dient.

Mahdi Darius Nazemroaya ist ein unabhängiger Schriftsteller aus Ottawa (Kanada), der sich auf den Nahen Osten und Zentralasien spezialisiert hat. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization (CRG).

Dieser Artikel erschien unter dem Titel: « Plans for Redrawing the Middle East: The Project for a “New Middle East” » bei Global Research, Centre for Research on Globalization, 17. Januar 2009.

Quelle: Centre for Research on Globalization (CRG) vom 18.11.2006 (Übersetzung Zeit-Fragen).

Anmerkungen

1  Außenministerium der Vereinigten Staaten, «What the Secretary Has Been Saying; Special Briefing on the Travel to the Middle East and Europe of Secretary Condoleezza Rice» (Washington, D.C.), July 21, 2006: <www.state.gov/secretary/rm/2006/69331.htm>.
2  Mark LeVine, «The New Creative Destruction», Asia Times, August 22, 2006.
3  Andrej Kreutz, «The Geopolitics of post-Soviet Russia and the Middle East», Arab Studies Quarterly (ASQ), 26 (1) (January 2002): 49-62. 
4  Der Kaukasus oder Kaukasien kann als Teil des Nahen Ostens oder in einem anderen Bereich in Betracht gezogen werden.
5  Ralph Peters, «Blood borders: How a better Middle East Would Look»,  Armed Forces Journal (AFJ), (June 2006): <http://www.armedforcesjournal.com/2006/06/1833899>.
ibid.
7  Crispian Balmer, «French MPs back Armenia genocide bill, Turkey angry, Reuters, October 12, 2006; James McConalogue, «French against Turks: Talking about Armenian Genocide», The Brussels Journal, October 10, 2006.
8  Suleyman Kurt, «Carved-up Map of Turkey at Nato Prompts U.S. Apology, Zaman (Türkei), September 29, 2006.
ibid.
10  Zbigniew Brzezinski, The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives [deutsch erschienen unter: «Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft»], (New York: Basic Books, 1998), 124.
11  ibid, 122-124.

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Hintergrund. Libanon, Irak, Libyen, Syrien und anderswo: Der Westen arbeitet mit Hochdruck an einer Balkanisierung des »Greater Middle East« Von Knut Mellenthin

Den Krieg in Libyen verstehen

  1. Was sind die wahren Ziele der USA?
  2. Die Ziele der USA gehen über das Öl weit hinaus
  3. Was sind die nächsten Ziele in Afrika?
von Michel Collon --- 3 teiliger Post aus seiner Webseite "Investig`Action"

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